Ehrlich zu sich selbst

Foto: Christina Carrieres / Wild ARC

Foto: Christina Carrieres / Wild ARC

von Maryanne Campeau

Mitgefühl in seiner reinsten Form hat unendliche Macht. Wenn man von Herzen gibt, nährt das das Herz wie in einem Kreislauf – ohne Anfang und ohne Ende. Es ist dabei egal, wer, was, wo oder wann. Ich selbst durfte diese Lektion mit Hilfe einer Ratte lernen.

In meiner Vergangenheit waren Ratten Tiere, die ich verachtete und vermied. Bei Wild ARC war es mir zwar möglich, mit Rattenbabys zu arbeiten, weil sie irgendwie süß und ihre Schwänze noch nicht so gruselig waren. Aber erwachsene Ratten waren für mich eine ganz andere Geschichte.

Die Ratte in dieser Geschichte war von einem Auto angefahren worden. Weil sie offensichtlich trächtig war konnte unser Team ihr mit Rücksicht auf die Babys keine Schmerzmittel geben. Sie stand auf der Liste der Tiere, um die ich mich an diesem Tag kümmern musste, und ich habe es so lange herausgezögert, wie ich es vor mir selbst verantworten konnte. Ich habe immer wieder einen Blick auf das mit Stoff zugehängte Aquarium geworfen, in das man sie gelegt hatte, und mir gesagt: „Da gehe ich als nächstes hin … da gehe ich als nächstes hin …“

Als ich endlich den Stoff anhob, öffnete sich mein Herz auf die sanfteste und leichteste nur mögliche Weise – sie war gerade dabei, mehrere Babys zu gebären.

In diesem Moment betrachtete ich sie nicht länger als ein Plagegeist, der aus meinem Kompost springen oder Krankheiten verbreiten würde. Sie war ein fühlendes Wesen, das sich mitten auf einem schwieriegen und geheimnisvollen Weg befand: der Weg in die Mutterschaft. Ich erinnerte mich an meine eigenen Erfahrungen mit Wehen, und spürte auf einmal Mitgefühl für sie. Ich selbst hatte nur einen einzigen, kleinen Sohn geboren, und sie war nun verantwortlich für elf kleine Leben, die alleine von ihr abhingen. Und das alles während sie noch unter dem Trauma eines Autounfalls litt – stellen Sie sich das nur vor.

Ich wollte Ihr auf jeden Fall so gut helfen, wie ich nur konnte. Die Essenz, die sich zeigte, war Candystick – wie perfekt! Candystick ist mit dem Sakral- und dem Kehlenchakra verbunden, unseren zwei schöpferischen Energiewirbeln. Die Essenz steht auch in Verbindung zum Nieren- und zum Blasenmeridian. Sie ist hilfreich bei Anspannung im Becken, Trauma oder Fehlstellungen. Als körperliches Tonikum unterstützt sie die Ausdauer, die man während den Wehen und einer Geburt braucht, aber auch bei anderen Herausforderungen im Leben.

Übrigens – vor einigen Jahren hatte ein Freund von mir ein trächtiges Mutterschaf, das schon überfällig war und sie schien sich gegen ihre erste Geburt zu sträuben, vielleicht weil sie Angst hatte. Sie bekam Candystick und schnell wurde sie zu einer kooperativen Teilnehmerin ihres eigenen Wunders. Innerhalb von 24 Stunden war die Geburt abgeschlossen.

Foto: Christina Carrieres / Wild ARC

Foto: Christina Carrieres / Wild ARC

Candystick steht auch in Verbindung zum Großen Mysterium – die Zeiten im Leben, in denen wir noch nicht vollständig verstehen, was vor sich geht, aber dennoch das Gefühl haben, dass etwas Heiliges geschieht.

Candystick ist ein Saprophyt, also eine Pflanze ohne Chlorophyll. Daher ist ihr Wachstum und ihr Gedeihen von anderen Lebewesen im Wald abhängig. Diese Essenz hat deshalb auch die Signatur von Inter-Sein – ein nicht greifbarer Faden vereint uns alle miteinander.

Leider hat unsere Geschichte kein Happy End – alle ihre Babys starben. Sie selbst erholte sich gut und ich fing an, sie zu mögen. Ich respektierte in diesen letzten Tagen ihren Mut und Lust am Leben. Am Tag bevor sie wieder freigelassen werden sollte, starb sie jedoch plötzlich. Sie hatte ein Aneurisma im Gehirn, das geplatzt war.

Vielleicht war ihre Arbeit erledigt. Ihre letzte Aufgabe war auf jeden Fall gewesen, einen Menschen, der voll von Meinungen und Vorurteilen war, zu lehren, dass Mitgefühl kein Gesicht hat – es IST einfach nur.

Liebe Grüße
Maryanne Campeau
maryanne@pacificessences.com

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