Zu guter Letzt … (September 2014)

„Der Körper und die Seele wissen sehr gut, wie sie sich selbst heilen können. Bleibende Wunden entstehen nur, wenn wir, nachdem wir verletzt wurden, den natürlichen Fluss der Emotionen stören oder ganz abschneiden.“ (Daniel Mapel)

ICarsten Sannch habe bisher noch keinen Menschen getroffen, der nicht mehr oder minder großen Ballast aus seiner Kindheit oder dem bisherigen Erwachsenenleben mit sich herumschleppt. Manchmal sind es große Themen bis hin zu Missbrauch jeglicher Art (es gibt nicht nur körperlichen oder sexuellen Missbrauch), manchmal sind es scheinbar belanglose Begebenheiten, die aus der damaligen Perspektive jedoch traumatisch waren. Ein von mir gerne genutztes Beispiel hierfür ist, der Verlust des Lieblingskuscheltiers als Kind. Was aus der Perspektive eines Erwachsenen nicht so schlimm aussieht („Ich kaufe Dir halt ein neues“), kann für eine kleine Kinderseele ziemlich nah am Weltuntergang sein. Es ist wichtig, dass wir verstehen, dass ein Kind, das deshalb außer sich ist, keine „Show“ macht – es ist außer sich, weil es WIRKLICH so schlimm ist. Kinder haben, je nach Alter, noch keine so weit entwickelte Ratio, die dabei hilft, die Emotionen wenn nötig wieder in die richtige Perspektive zu rücken. Die Welt der Kinder besteht im Wesentlichen aus Emotionen, und wenn diese Welt gerade zusammenbricht, dann hilft es nichts, wenn man versucht, Ihnen zu sagen, dass es „nicht so schlimm ist“ oder sogar, dass sie sich nicht so anstellen sollen. Im Gegenteil.

Stellen Sie sich vor, dass Sie gerade von einer Flut von Emotionen überspült werden, die sich nicht schön anfühlen. Trauer, Verlust, Angst, vielleicht auch Wut und Zorn. Und dann kommt Gott (oder die Person, die sie zu diesem Zeitpunkt dafür halten, nämlich Mama oder Papa) daher, und erzählt Ihnen, dass das, was Sie gerade fühlen, gar nicht stimmt. Sie bekommen erzählt, dass das, was Sie fühlen nicht in Ordnung ist, und dass es besser ist, die Emotionen zu unterdrücken und in sich einzuschließen. Wenn „Gott“ das sagt, dann muss es doch stimmen, oder? Also lernen Sie, wenn es nur oft genug vorkommt, dass das, was Sie fühlen nicht stimmt dass es schlecht ist, Gefühle fließen zu lassen und dass es gut ist, sie zu unterdrücken.

Ich habe bewusst ein aus erwachsener Sicht „triviales“ Beispiel gewählt, aber schon das ist der Stoff, aus dem seelische Verletzungen gemacht sind. Wenn Sie sich jetzt noch vorstellen, dass Kinder in Situationen kommen können, die selbst objektiv betrachtet traumatisch sind – emotionaler, körperlicher oder sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, Mobbing in der Schule etc. – dann wird die Größe der seelischen Verletzung so groß, dass sie kaum noch auszuhalten ist. Ich stehe bei diesem Gedanken immer wieder ehrfürchtig vor der Kraft des Menschen, Leid und Schmerz auszuhalten und dennoch nicht verrückt zu werden.

Wie kann man es besser machen? Ein wichtiges Element ist es, Kindern beizubringen, dass die Gefühle, die sie wahrnehmen real und in Ordnung sind, und ihnen einen Weg zu zeigen, diese auf angemessene Art und Weise auszudrücken. Es ist in Ordnung, traurig zu sein, Schmerz zu fühlen und zu weinen. Es ist in Ordnung, wütend zu sein und das auch auszudrücken, solange man dabei niemanden (auch nicht sich selbst) verletzt. Um das hinzubekommen ist es notwendig, die Gefühle zu validieren (bestätigen), wenn Kinder sie ausdrücken.

Wenn ein Kind hingefallen ist, sich das Knie aufgeschlagen hat und weint, dann ist es aus Sicht der Validierung nicht hilfreich Dinge zu sagen wie: „Das ist nicht so schlimm!“ (weil es jetzt gerade so schlimm IST), „Das ist so klein, das kann gar nicht wehtun!“ (weil es JETZT verdammt wehtut) oder „Stell Dich nicht so an!“ (weil das Kind sich nicht anstellt sondern JETZT tatsächlich nur noch Schmerzen fühlt). Stattdessen wäre es besser sich hinzusetzen, das Kind auf den Schoß zu nehmen und zu trösten und Dinge zu sagen wie „Ich weiß, dass es wehtut, und es wird gleich wieder besser“ oder „Lass’ die Tränen raus, das hilft, dass es besser wird.“

Ein wesentlicher Mechanismus der seelischen Selbstheilungskräfte des Menschen ist es, Gefühle auszudrücken. Wenn wir im Idealfall nach einer traumatischen Situation in der Lage sind, unsere Gefühle vollständig auszudrücken und keinen Teil davon zu unterdrücken, dann wird keine seelische Verletzung zurückbleiben. Je mehr wir zurückhalten, desto mehr „emotionale Ladung“ bleibt mit der Erinnerung an die Situation gespeichert und je mehr emotionale Ladung in uns gespeichert ist, desto mehr Kraft kostet es uns, diese unten zu halten und die bildlichen Wackersteine in unserem Rücksack mit uns herumzuschleppen. Wenn man schon nicht vermeiden kann, dass man im Laufe seines Lebens seelische Verletzungen erleidet, dann ist es doch zumindest hilfreich, bleibende Wunden zu vermeiden, indem man lernt seine Gefühle auszudrücken – schon als Kind.

In der Realität tragen wir jedoch, wie bereits gesagt, alle unseren Ballast mit uns herum. Die gute Nachricht dabei ist jedoch, dass es nie zu spät ist, die Gefühle nachträglich auszudrücken, die emotionale Ladung abfließen zu lassen und sich damit Stück für Stück von seinen Wackersteinen zu befreien. Ein wesentliches Werkzeug dafür ist die Arbeit mit dem Inneren Kind. Daniel Mapel, der Hersteller der Wild Earth Essenzen ist, aufgrund seiner eigenen Geschichte und auch durch seine langjährige Arbeit als Therapeut, Experte auf diesem Gebiet. Ende Oktober wird er in Deutschland sein, um einen Workshop zu diesem Thema zu geben, bei dem man sowohl anfängt, den Kontakt zum inneren Kind aufzunehmen, als auch Werkzeuge lernt, wie man zuhause damit weitermachen kann. Ich selbst habe den Workshop schon mehrfach erlebt und kann ihn Menschen, die das Gefühl haben, alten Ballast mit sich herumtragen, nur wärmstens empfehlen. Informationen zum Workshop finden Sie hier.

Ich selbst bin schon einige Schritte auf meinem Weg, den emotionalen Ballast abzubauen, gegangen und kann aus eigener Erfahrung sagen, dass sich das Leben mit jedem kleinen Schritt verändert und besser wird :-)

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen 

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