Zu guter Letzt … (Februar 2016)

Carsten SannKennen Sie das Gefühl: In einer Sitzung mit einem Therapeuten oder Heiler sind sie wirklich einen großen Schritt weitergekommen. Ein Thema, das Sie lange beschäftigt und belastet hat war dran und ist aufgelöst worden. Oder Sie hatten eine Erkenntnis, die Sie wirklich einen großen Schritt weitergebracht hat. Was für ein wundervolles, befreiendes Gefühl! Und dann, vielleicht nur kurze Zeit später, kommt exakt dieses Thema wieder daher und stürzt Sie in ein Loch der Verzweiflung. Sie fragen sich: „Wird das denn nie enden? Wann sind endlich meine Themen (oder dieses Thema) bearbeitet und fertig? Wann bin ich vollständig frei davon?“

Ich habe eine gute und eine schlechte Nachricht für Sie. Die schlechte zuerst: Aller Wahrscheinlichkeit werden wir es, solange wir leben, nie schaffen, unsere Themen so vollständig zu bearbeiten und aufzulösen, dass sie zu 100% fertig sind. Erst in dem Moment, in dem wir diese Welt verlassen, werden wir frei sein von allem Ballast, den wir mit uns herumtragen.

Die gute Nachricht dabei ist jedoch, dass unsere Themen jedes Mal, wenn sie wieder um die Ecke kommen, leichter werden, so dass Sie uns irgendwann nicht mehr stören als eine Fliege, die wir kurz betrachten und dann verscheuchen.

Wenn wir mit der Aufarbeitung unseres eigenen Ballasts beginnen, öffnen wir die Falltür zu den dunkelsten Ecken unserer Seele. Der erste Blick, den wir dort hineinwerfen, lässt uns das Blut in den Adern gefrieren. Bis dahin wussten wir gar nicht, dass es in uns einen Ort gibt, der so voller Schmerz, Leid und Dunkelheit ist. Es kostet sehr viel Mut und Kraft, die Falltür nicht gleich wieder zuzumachen und weiterhin so zu tun, als ob da nichts wäre. Inzwischen ist es jedoch fast noch schwerer wegzusehen – der Leidensdruck wächst seit Monaten und Jahren kontinuierlich, so dass es mittlerweile das kleinere Übel ist, sich der eigenen inneren Dunkelheit zu stellen und die Option zu haben, Licht hineinzubringen, als weiter ohne Hoffnung auf Besserung zu leiden.

Wenn wir also all unseren Mut zusammennehmen und uns einen Wackerstein unseres emotionalen Ballasts genauer betrachten, dann sieht er riesig aus. Vielleicht hat er sogar gefühlt die Größe des Mount Everest. Wir nehmen wieder die furchtbare Emotionen wahr, die damit verbunden sind und vielleicht wirft es uns für einige Zeit aus der Bahn. Dann krempeln wir die Ärmel hoch und tun das, was getan werden muss. Und dann kommen wir irgendwann zu dem Punkt, wo wir das Gefühl haben, dass das Thema nun fertig ist. Und das ist es auch – zumindest für den Moment.

Und trotzdem kommt es irgendwann wieder. Aber beim zweiten Mal ist es vielleicht kein Mount Everest mehr, sondern nur noch die Zugspitze. Wir wissen, dass wir es schon einmal überlebt haben, uns dem Thema zu stellen, deshalb kostet es nicht mehr ganz so viel Kraft, genau hinzusehen und das zu tun, was zu tun ist. Und dann kommt der Moment, an dem wir wieder mit dem Thema durch sind … bis zu dem Zeitpunkt, wo es erneut daherkommt.

Ich denke, Sie verstehen, worauf ich hinaus will. Mit jeder Runde, die wir mit einem Thema drehen, wird es leichter, damit umzugehen. Und irgendwann ist unser persönlicher Mount Everest auf die Größe eines Sandkorns zusammengeschrumpft, das in unseren Schuh geraten ist. Wir halten kurz inne, betrachten das Sandkorn für eine Minute, legen es dann lächelnd beiseite und laufen weiter.

Deshalb ist meine Botschaft in diesem Zu guter Letzt: Seien Sie nicht verzweifelt, wenn ein Thema, dass Sie schon bearbeitet geglaubt haben, wiederkommt. Das ist ganz normal. Es gehört zum Prozess des Lebens dazu. Mit jedem Mal, wo Sie sich eines Themas annehmen, lernen Sie Neues über sich und wachsen daran. Und letztlich ist es gar nicht notwendig, dass wir zu 100% frei sind von unserem Ballast, wenn derselbe irgendwann nur noch aus einer Handvoll Sandkörnern besteht.

Ich selbst sehe es so, dass es mein Ziel ist, die Zeit zu maximieren, in der es mir gut geht. Wenn zu Beginn des Weges noch Leiden und Schmerz der Normalzustand waren, der nur von vorübergehenden, guten Phasen unterbrochen wurde, dann ist es doch wunderbar, wenn man erkennt, dass irgendwann das Wohlbefinden zum Normalzustand geworden ist, und die Phasen des Schmerzes immer noch weiter abnehmen.

Die Energie dieses Monats ist eher introvertiert als extrovertiert. Nehmen Sie sich die Zeit zur Innenschau und erforschen Sie einmal für sich, welche Fortschritte Sie bei den Themen gemacht haben, die immer wiederzukommen scheinen. Und dann atmen Sie kurz durch, gratulieren Sie sich und klopfen sich selbst auf die Schulter für die gute Arbeit, die Sie bis heute schon geleistet haben :-)

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Ein Gedanke zu „Zu guter Letzt … (Februar 2016)

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