Zu guter Letzt … (Juni 2011)

Im April-Newsletter hatte ich über drei grundlegende Wahrheiten geschrieben, die mir ins Bewusstsein gekommen sind. Die erste war: „Alle wirklichen Wahrheiten sind einfach“. Und nachdem sich im Mai das Thema 2012 in den Vordergrund „gedrängelt“ hat, will ich nun im Juni auf die zweite grundlegende Wahrheit zurückkommen.

„Die einzig wirkliche Sicherheit im Leben entsteht aus Vertrauen“

Sicherheit, die von außen kommt, ist eine Illusion. Eine Illusion, die wir uns selbst einreden, und eine Illusion, die uns von vielen anderen Seiten suggeriert wird. Wer glaubt, dass sein Einkommen „sicher“ ist, nur weil er einen Job hat und vielleicht sogar aufgrund langjähriger Betriebszugehörigkeit fast unkündbar ist, der täuscht sich, denn viele Firmen, die in Konkurs gegangen sind, haben bewiesen, dass ein Arbeitsplatz etwas sehr vergängliches ist.

Wer glaubt, dass Versicherungen uns das geben, was sie versprechen, nämlich Sicherheit, der täuscht sich, denn zum einen ist das nie laut geäußerte, aber dennoch sehr präsente Ziel der Versicherungsgesellschaften, im Zweifelsfall nicht zahlen zu müssen. Bevor man also im Schadensfall etwas von der Versicherung erhält, muss man in der Regel hart kämpfen – etwas, auf das man in so einem Fall sicherlich gerne verzichten würde. Zum anderen ist mehr als fraglich, dass die Versicherung auch nur ansatzweise einen Ausgleich für das schaffen kann, was kaputt oder verloren gegangen ist. Bei einem Auto kann das noch klappen. Schwierig wird es jedoch bei Erinnerungsstücken, deren materieller Wert zwar ersetzbar ist, nicht jedoch der ideelle. Am Beispiel einer Lebensversicherung zeigt sich dann das vollkommene Versagen des Konzeptes einer „Versicherung“. Das Leben eines Menschen ist nicht ersetzbar – schon gar nicht durch Geld.

Dann gibt es da noch die Menschen, die sich aufgrund eines großen Notgroschens sicher fühlen. Ich überzeugt davon, dass auch in der Gegend um Fukushima Menschen mit genügend Geld auf der hohen Kante wohnten. Leider kann das Geld ihnen nicht dabei helfen, ihre radioaktive Belastung zu senken. Auch hier zeigt sich wieder: Sicherheit aufgrund äußerer Dinge ist eine Illusion. Viele dramatische Katastrophen – sowohl im Kleinen als auch im Großen – haben uns in den letzten 150 Jahren gelehrt, dass es so etwas wie Sicherheit im Außen nicht gibt. Was also tun, damit wir nicht von der Depression übermannt werden. Gibt es einen Grund, sich nicht das Leben zu nehmen?

Sicherheit ist nichts Objektives. Sie ist nichts, das man kaufen kann. Man kann sie nicht im Internet finden oder zufällig unterwegs beim Spazierengehen. Sicherheit ist etwas sehr Subjektives, nämlich ein Gefühl. Warum kann sich ein Mensch inmitten eines Krieges dennoch sicher fühlen? Wohl nicht, weil die Umstände ihm dies suggerieren. Wahrscheinlich auch nicht, weil er eine Versicherung gegen Kriegswunden abgeschlossen hat. Wirkliche Sicherheit kommt von Innen. Aus einem tiefen Gefühl des Vertrauens heraus.

Vertrauen ist gut – aber in was? Wenn es nicht die Versicherungskonzerne, der Staat oder mein Arbeitgeber sind, in die ich vertrauen kann, in wen denn dann? Nun ja. Zuerst einmal könnte man damit anfangen, in sich selbst zu vertrauen. Jeder Mensch hat Eigenschaften und Fähigkeiten, die ihn einzigartig machen. Jeder Mensch kann etwas, was jemand anderes brauchen kann – und wenn das „nur“ Babysitten, Putzen oder Botengänge sind. Damit kann auf dem Wege des Tauschhandels – mit oder ohne Geld – das Überleben gesichert werden. So weit, so gut. Das mag vielleicht für mein Auskommen auf finanzieller Ebene funktionieren. Aber was ist mit Kriegen, Naturkatastrophen oder gar dem Weltuntergang?

Das gleiche! Vertrauen. Aber diesmal in den Fluss des Lebens. Das klingt sehr esoterisch, ist aber angewandte Lebenspraxis vieler Menschen – leider hauptsächlich in den ärmsten Regionen der Welt. Klar. Wenn man nichts zu essen hat, keine Arbeit und keinen Plan, wie man morgen die Kinder ernährt, dann bleibt nicht viel anderes als Hoffnung und Vertrauen. Jetzt werden Sie sagen: „Aber die Menschen zum Beispiel in Afrika sterben doch – zu Tausenden!“ Ja, das ist richtig und das ist schlimm, insbesondere da mit einem Bruchteil des Wohlstandes, der in den Industrieländern herrscht, alle Menschen auf der Welt zumindest sauberes Wasser und Grundnahrungsmittel erhalten könnten. Doch dies ist ein anderes Thema. Der Punkt ist, dass trotz Mangel und Krankheiten die vielen Millionen Menschen, die von Tag zu Tag leben und dabei vertrauen, dass auch morgen wieder etwas Essbares auf dem Tisch steht, in der Überzahl sind und viele von Ihnen dabei wahrscheinlich glücklicher sind, als wir reichen Europäer mit all unserem Geld und Überfluss.

Das mit dem Vertrauen ist jedoch so eine Sache. Wenn man davon ausgeht, dass man nur fest daran glauben muss, damit die gebratenen Tauben von selbst auf dem Teller erscheinen, der wird recht schnell feststellen, dass dem leider nicht so ist. Den ganzen Tag auf dem Meditationskissen gesessen und fest geglaubt, dass am Abend der Teller voll ist und es hat wieder mal nicht geklappt. Mist! Vertrauen in den Fluss des Lebens hat nichts mit Inaktivität zu tun – im Gegenteil. Wenn ich nicht aktiv werde und Schwimmbewegungen mache, dann ertrinke ich im Fluss des Lebens. Das Vertrauen bezieht sich einzig und alleine darauf, dass das Leben dafür sorgen wird, dass zum rechten Zeitpunkt die rechte Gelegenheit auftaucht. Danach sind jedoch noch zwei Dinge notwendig: Ich muss die Gelegenheit ERKENNEN und anschließend HANDELN. Oft scheitert es schon am Erkennen, noch öfter am Handeln.

Das Leben ist wie ein sehr langer Gang mit abertausenden von Türen, die links und rechts liegen. Manchen Türen sind offen, andere verschlossen. Auf unserer Reise entlang des Gangs passiert es, dass sich manche Türen auf einmal schließen, während andere sich öffnen. Wer mit starrem Blick nach vorne den Gang entlang geht und weder nach links noch nach rechts sieht, der erkennt nicht einmal, dass da Türen sind. Geschweige denn, welche davon offen und welche geschlossen sind. Und insbesondere das Interessanteste, nämlich welche Türen sich gerade geöffnet haben, bleibt ihm verborgen.

Derjenige, der bereit ist, nach links und rechts zu schauen und dann auch noch den Mut aufbringt, seinen geraden (überschaubaren) Pfad zu verlassen um durch eine sich öffnende Tür zu gehen, der ist in einer besseren Situation. Natürlich weiß er nicht, was sich hinter der Tür befindet – wahrscheinlich wieder ein neuer Gang mit vielen Türen. Das Vertrauen zum Fluss des Lebens beinhaltet jedoch auch die Überzeugung, dass das Leben uns nicht feindlich gesinnt ist. Es gibt da draußen niemanden, der uns quälen, mit unlösbaren Aufgaben foltern oder sogar einfach nur zum Spaß leiden sehen will. Das Gegenteil ist auch hier wieder der Fall. Das Leben ist dafür gedacht, dass es uns gut geht und dass wir Spaß haben!

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen wunderschöne, sonnige Tage!

Liebe Grüße aus Aschaffenburg

Delia & Carsten Sann
Der Essenzenladen

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