Zu guter Letzt … (November 2011)

Der Winter ist die Zeit des Jahres, in der sich die Menschen in unseren hektischen Zeiten am ehesten nach innen kehren und sich vieler Dinge besinnen, die während des restlichen Jahrs im Trubel untergegangen sind. Und das ist etwas Gutes, denn wie ich bereits oben bei der Essenz des Monats geschrieben habe, ist die Introspektive ein sehr mächtiges Werkzeug. Tatsächlich ist sie der einzige Weg, sich effektiv und endgültig von emotionalem Ballast zu befreien. Wir hatten im Oktober vier wunderbare Tage mit Daniel Mapel in Lienz in Österreich und deswegen möchte ich dieses „Zu guter Letzt“ seinem wunderbaren Verständnis von emotionalem Ballast, Verletzungen und den Möglichkeite, sich davon zu befreien, widmen.

Ebenfalls bereits oben erwähnt habe ich Daniels Leitsatz, dass der einzige Weg aus dem Schlamassel ist, einmal wirklich hindurchzugehen. Daniel hat diesen Prozess mit Hilfe einer wunderbaren Therapeutin für sich selbst geschafft und ihn im Rahmen seiner eigenen therapeutischen Tätigkeit viele Male bei anderen Menschen begleitet. Bei dieser Arbeit hat sich herauskristallisiert, dass es bei den meisten Menschen sieben unterscheidbare Phasen der Heilung von tiefen emotionalen Verletzungen gibt. Bevor wir uns die einzelnen Phasen ansehen, jedoch noch kurz einige Sätze darüber, wie seelische Wunden entstehen.

Es gibt kein Naturgesetz, das vorschreibt, dass wir emotionalen Ballast aufbauen und mit uns herumtragen müssen. Die meisten von uns tun es trotzdem. Wie entsteht dieser Ballast? Jeder Mensch kommt irgendwann in eine Situation, in der er zutiefst emotional schockiert oder verletzt wird: Ablehnung, Verlassen sein, emotionale Kälte der Eltern, Missbrauch oder einfach ein Unfall. Die Gründe, aufgrund derer emotionale Wunden entstehen sind vielfältig und in ihrer Intensität durchaus verschieden. Allen gemeinsam aber ist dies: Wenn wir in dem Moment der Verletzung die Gelegenheit haben und in der Lage sind, den Schmerz auszudrücken indem wir unsere Wut und unsere Tränen herauslassen können und (optimaler Weise) durch jemanden ehrlich getröstet werden, dann entsteht keine bleibende Wunde. Die Energie, die der Verletzung innewohnt wird direkt ausgedrückt und losgelassen und es bleibt kein emotionaler Ballast zurück. Wir können das Thema abhaken und uns wieder dem Alltag zuwenden.

Anders sieht es jedoch aus, wenn wir – aus welchem Grund auch immer – nicht in der Lage sind, unseren Gefühlen freien Lauf zu lassen. Wir sperren die intensiven Emotionen weg und unterdrücken sie. In vielen Situationen ist das etwas, was wir tun müssen, um überleben zu können. Was kann z.B. ein Kind, das sexuell missbraucht wurde, in der Regel anderes tun … insbesondere wenn der Peiniger Vater oder Mutter sind? Das Wegsperren von Emotionen ist Teil der Überlebensstrategie und das ist vom Grundsatz auch in Ordnung so. Leider führt das jedoch dazu, dass wir die negative Energie dieser unterdrückten Emotionen dauerhaft mit uns herumtragen und Energie dafür aufwenden müssen, um sie unten zu halten. Diese Energie steht uns dann natürlich für andere, kreative Dinge nicht mehr zur Verfügung, ganz zu schweigen von Ängsten, negativen Gedankenmustern, etc., die ihre Ursache ebenfalls darin haben können und uns Tag für Tag peinigen. Auf diese Weise entsteht emotionaler Ballast.

Um diesen nun loslassen zu können, ist es notwendig, die Emotionen endlich auszudrücken. Das kann gut noch viele Jahre nach der eigentlichen Verletzung geschehen. Und dieser Prozess des Ausdrückens und Loslassens ist das Kernstück von Daniel Mapels Arbeit. Er manifestiert sie in den sieben Healing Path Essenzen, die den Weg der natürlichen Heilung begleiten:

  • Inner Work – Innere Arbeit
  • Healthy Anger – Gesunder Zorn
  • Grieving Heart – Trauerndes Herz
  • Letting Go – Loslassen
  • Gratitude – Dankbarkeit
  • Wild Freedom – Wilde Freiheit
  • Communion with God – Einheit mit Gott

Der Weg der Heilung beginnt immer mit der Bereitschaft, sind nach innen zu wenden und die innere Arbeit zu tun. Es ist eine Illusion zu glauben, dass man die Heilung für innere Verletzungen im Außen finden kann. Jedoch flößt es uns oft sehr viel Angst ein, wenn wir uns vorstellen, dass wir uns den ganzen Schmerz und die Verletzungen noch einmal ansehen müssen. Schließlich haben wir sie damals weggeschlossen, weil wir überzeugt davon waren, dass wir es nicht überleben können, wenn wir das nicht tun. Die erste Essenz der Healing Path Reihe heißt daher „Inner Work“ und sie unterstützt dabei, den Mut, die Fähigkeit und die Kraft zu haben, sich nach innen zu wenden und sich den dunklen Dingen, die dort verborgen sind, zu stellen.

Sobald wir uns auf den Weg begeben haben, werden Gefühle ans Tageslicht kommen, die wir bisher unterdrückt haben und oft ist die erste dieser Emotionen Zorn. Es gibt keine „negativen“ Gefühle und Zorn ist nichts anderes als eine gesunde Reaktion darauf, dass uns jemand verletzt hat. Wenn der Zorn damals nicht ausgedrück wurde, dann muss er es jetzt, und der wichtige Aspekt dabei ist, dass dies auf angemessene Weise geschieht: Deutlich und kraftvoll, jedoch ohne anderen oder sich selbst zu schaden. Die zweite Essenz, „Healthy Anger„, sorgt dafür, dass Menschen, die nicht wissen wie man Zorn ausdrückt, dieses Gefühl zulassen können, hilft aber ebenso Menschen, die dieses Gefühl übermäßig ausdrücken (z.B. durch Gewalttätigkeit), dass dies zukünftig auf angemessene Weise geschehen kann.

Unter dem Gefühl von Zorn liegt fast immer das Gefühl der Trauer. Trauer darüber, dass wir verletzt oder im Stich gelassen wurden. Auf dem Weg des natürlichen Heilungsprozesses muss auch diese Trauer ausgedrückt werden. Jede damals nicht geweinte Träne muss nachgeholt werden, damit die damit verbundene Energie losgelassen werden kann. Wissenschaftliche Forschungen haben gezeigt, dass authentisches Trauern und Weinen tatsächlich sogar die Gehirnchemie verändert. Die dritte Essenz, „Grieving Heart“ hilft uns dabei, diese Trauer zuzulassen und uns sicher dabei zu fühlen, die Tränen fließen zu lassen. Wer jemals – wie man bei uns sagt – Rotz und Wasser geflennt hat, der weiß, wie befreiend das ist und wie viel leichter man sich hinterher fühlt.

Wenn die beiden Hauptemotionen – Zorn und Trauer – ausgedrückt wurden, geht es ans Loslassen. In dieser Phase kommen wir in die Lage, die Ängste und alten Muster loszulassen. Die alten, schmerzhaften Erinnerungen beginnen, ihre Macht über uns zu verlieren und wir fühlen uns mit jedem Brocken, den wir loslassen leichter und leichter. Die Essenz „Letting Go“ hilft uns dabei, dass wir uns von all dem trennen können, was uns nicht länger dienlich ist und uns für unsere innere Führung zu öffnen.

Wenn das geschafft ist kommt in der Regel ein großes Gefühl der Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass wir es schon so weit geschafft haben, aber auch Dankbarkeit für all die negativen Dinge, die wir erleben mussten, denn sie waren die Voraussetzung dafür, dass wir heute an dem Ort stehen, wo wir sind. Wir beginnen alles, was uns im Leben begegnet – negativ oder positiv – als Geschenk zu sehen, das es uns ermöglicht, immer weiter zu wachsen und uns zu entwickeln. Die Essenz „Gratitude“ ist diejenige in der Reihe der Healing Path Essenzen, die uns in dieser Phase unterstützt.

Nachdem wir den Ballast abgeworfen und Dankbarkeit für die Geschenke des Lebens entwickelt haben, kann sich unser neues Leben voll entwickeln. Dieses neue Leben ist voll von Freude und Freiheit. Es ist ein Leben, das wir uns damals, als wir gerade mit dem Prozess begonnen haben, nicht in unseren wildesten Träumen hätten vorstellen können und durch die viele (und schwere) Arbeit, die wir geleistet haben, ist es nun dabei, Realität zu werden. Die Essenz „Wild Freedom“ gibt uns kraftvolle Unterstützung darin, das Leben zu feiern und in Freiheit und Befreiung zu leben.

Der Abschluss des Prozesses ist ein tiefes Gefühl der Verbundenheit mit dem eigenen Wesenskern und mit Gott. Wenn wir all das, was wir so lange weggeschlossen haben, aufgelöst und unser neues Leben in Freiheit manifestiert haben, bleibt im Prinzip nicht mehr viel zu tun als Liebe zu geben und anderen Menschen zu helfen, die sich noch in ihrem eigenen Prozess befinden. Und obwohl dies eine Art Abschluss ist, ist es gleichzeitig ein neuer Beginn – der Anfang eines Lebens, in dem die größte Freude daraus entsteht, anderen Menschen zu dienen und Gutes zu tun. Die Mischung „Communion with God“ unterstützt uns dabei, diese Einheit mit Gott (oder wie Sie die höhere Kraft auch immer nennen mögen) zu spüren.

Erlauben Sie mir noch einige Worte zu diesem Prozess. Das Wichtigste zuerst: Die Essenzen führen den Prozess nicht für uns durch! Es ist viel und harte innere Arbeit zu leisten, um sich von seinem emotionalen Ballast zu befreien. Die Essenzen sind lediglich Hilfsmittel, die den Prozess leichter und vielleicht etwas schneller machen. Die eigentliche Arbeit müssen wir selbst tun. Bei schwerwiegenden Themen ist es sehr empfehlenswert, dies zusammen mit einem erfahrenen und offenen Therapeuten zu tun und dabei die Essenzen zur Unterstützung zu verwenden.

Der Prozess der Heilung verläuft in der Regel weniger linear als vielmehr in einer Spirale, d.h. nachdem man zornig war, getrauert hat und eine ganze Menge Ballast losgelassen hat, kann es durchaus sein, dass eine neue Schicht von Zorn nach oben kommt, die mit neuer Trauer verbunden ist und aufs Neue losgelassen werden will. Und nach der ersten großen Welle von Dankbarkeit, kommt vielleicht ein neues Stück Trauerarbeit, die noch zu erledigen ist. Wichtig ist es, zu verstehen, dass die Essenzen uns bei jedem der Schritte unterstützen und einfach so verwendet werden können, wie es sich gerade richtig anfühlt. Zum anderen ist es auch nicht absolut notwendig, die Essenzen in der vorgegebenen Reihenfolge zu verwenden. Man kann jederzeit einzelne Schritte herausgreifen und die Essenzen auch verwenden, wenn man (auch ohne große emotionale Traumen) das Gefühl hat, dass es z.B. etwas gibt, das man gerne loslassen würde. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass die sieben Phasen bei den meisten Menschen auftauchen und dass auch die Reihenfolge in etwas so wie hier beschrieben ist.

Der hier beschrieben Prozes ist ein wirklich mächtiges und effektives Werkzeug. Tatsächlich ist es so, dass jeder, der sich auf einen solchen Prozess einlässt, garantiert davon profitieren wird. Um es mit Daniels Worten zu sagen: Wenn man seine innere Arbeit tut, dann wird man positive Resultate erhalten – es ist wie ein Vertrag mit Gott und es gibt dabei kein „vielleicht“.

In diesem Sinne wünschen wir Ihnen immer warme Füße und eine angenehme Vorweihnachtszeit.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg

Delia & Carsten Sann
Der Essenzenladen

Ein Gedanke zu „Zu guter Letzt … (November 2011)

  1. Hallo Deliah und Carsten,
    ich habe euern Artikel/Bericht “ ZU GUTER LETZT…“jetzt zum 3.Mal gelesen und finde ihn sehr klar und detailliert. Er bringt Vieles von dem, was ich zur Zeit erlebe und oft garnicht so genau für mich formulieren konnte, genau auf den Punkt. Was mich besonders bei der Beschreibung der WILD EARTH-ESSENZEN und seinem „SCHÖPFER“ Daniel Mapel anspricht, ist , 1. der ROTE FADEN in seinem Essenzensystem, der bei den meisten anderen Systemen meiner Meinung nach völlig fehlt. 2.die WILD CHILD ESSENZEN für die Heilung des INNEREN KINDES!
    LIEBER GRUSS aus Bad Herrenalb REINHARD

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