Zu guter Letzt … (September 2016)

Carsten SannVon allen Seiten hört man immer wieder: „Wir leben in einer Zeit der Veränderung!“ und „Es gehen große Transformationen vor sich!“ Dass da draußen und in unseren eigenen Leben öfter als früher Chaos herrscht, ist offensichtlich. Aber wohin führen diese Veränderungen und was machen sie mit uns auf persönlicher Ebene? In den letzten Wochen durfte ich durch eigene Erfahrungen eine Reihe von Erkenntnissen gewinnen, über die ich heute schreiben möchte.

Das Adjektiv „hypersensitiv“ beschreibt Menschen, die deutlich sensitiver sind, als der Durchschnitt. Sie haben feinere Antennen, nehmen Emotionen anderer und Energien im Allgemeinen deutlicher wahr und sind durch diese Sensitivität oft auch leichter aus der Bahn zu werfen als viele andere. Ich persönlich mag den Begriff „hypersensitiv“ nicht, denn in ihm schwingt mit, dass es sich dabei um eine „übermäßige“, also ein Zuviel an Sensitivität handelt. In meinen Augen ist es jedoch so, dass diese feinen Antennen in nicht allzu ferner Zukunft die neue Normalität sein werden, dann wird man vielleicht diejenigen, die sie nicht besitzen „hyposensitiv“ nennen … aber das nur am Rande.

Für Menschen, die mit einem großen Maß an Sensitivität auf die Welt gekommen sind, ist das Leben manchmal recht anstrengend. Oft stürzen die Sinneseindrücke auf allen Ebenen nur so auf sie ein und es lässt sich nicht so einfach zuordnen, was jetzt woher kommt. Oft spürt man scheinbar grundlos Emotionen, ohne zu bemerken, dass es gar nicht die eigenen sind, sondern die anderer Menschen. Bei angenehmen Gefühlen wie Freude, Enthusiasmus und Glück ist das zwar schön, bei den eher nicht so angenehmen Emotionen jedoch umso anstrengender. Eine weitere Herausforderung ist, dass man oft von den Menschen im eigenen Umfeld zu hören bekommt: „Stell Dich nicht so an!“ oder „Was Du schon wieder siehst/hörst/fühlst!“ Die eigenen Wahrnehmungen, die vollkommen real sind, werden dadurch von anderen für ungültig erklärt und manchmal auch ins Lächerliche gezogen. Für das Selbstwertgefühl und den Sinn für das eigene Ich ist das Gift, besonders in der Kindheit.

Ich habe in den vergangenen Wochen erlebt, wie für mich viel Klarheit in das Thema meiner eigenen „Antennen“ gekommen ist, und zwar in zwei Beziehungen: Einerseits geschieht es immer öfter, dass ich bei scheinbar grundlos auftretenden Emotionen kurz innehalten und erkennen kann, dass sie nicht aus mir, sondern von außen kommen. Alleine das schon ist sehr hilfreich, wenn man mal wieder, bildlich gesprochen, eine schwarze Wolke über dem Kopf hängen hat, während doch eigentlich überall die Sonne scheint. Andererseits ist das große aktuelle Lernthema die Steuerung dieser Wahrnehmungen – und die große Neuigkeit in Bezug auf die Transformationen, die da so in der Welt und uns vorgehen ist: Wir können unsere Antennen nun tatsächlich lernen zu steuern, und zwar auf eine ganz neue, leichte Art und Weise.

Bei der Suche nach einer Bezeichnung für diesen Mechanismus bin ich für mich beim Begriff „Wahrnehmungsventil“ hängen geblieben. Man könnte die Fähigkeit, die eigenen Antennen zu steuern auch als eine Art Filter sehen, jedoch kann ich mir bei einem Ventil leichter vorstellen, wie ich es auf- und zudrehe. Und genau darum geht es. Es geht darum zu lernen, das Ventil, das bei vielen seit der Geburt weit auf ist, ersteinmal zuzudrehen. Das klingt zwar ein bisschen nach Rückzug oder Abschottung, aber genau das ist es, was für den Anfang nötig ist.

Eine der Erkenntnisse der letzten Wochen ist, dass das „Wahrnehmungsventil“, wenn ich vorerst bei dieser Bezeichnung bleiben darf, nichts mit normaler Empathie oder gar mit den fünf Sinnen zu tun hat. Tatsächlich ist es so, dass die Menschen mit den feinen Antennen trotz komplett geschlossenen Wahrnehmungsventils häufig immer noch empathischer als der Durchschnitt sind. Es ist also nicht damit zu rechnen, dass wir stumpf oder unsensibel werden, wenn wir auf dieser Ebene vorerst „zumachen“. Für den Alltag des menschlichen Miteinanders sind wir selbst dann noch bestens gerüstet.

Kennen Sie das, dass Menschen, die uns nahe sind, vorzugsweise die Mitglieder der eigenen Familie inklusive Eltern und Geschwister, nur eine einzige Bemerkung machen oder uns einen einzigen bestimmten Blick zuwerfen müssen, damit wir explodieren? Eine weitere Erkenntnis ist, dass es viel leichter fällt diese sprichwörtlichen „roten Knöpfe“ zu deaktivieren, wenn wir das Wahrnehmungsventil nicht bis zum Anschlag aufgedreht haben. Dann können wir nämlich das was da gerade passiert, also den Blick oder die Bemerkung, von dem abgrenzen, was es in uns bisher immer ausgelöst hat, also etwas Altem aus unserer Vergangenheit.

Wenn wir diese feinen Antennen besitzen, dann können wir sie natürlich auch bewusst nutzen und dann, wenn es angemessen ist, vollständig auf „Empfang“ schalten, beispielsweise, wenn unsere Partner, Kinder oder Freunde uns brauchen oder wenn wir als Berater oder Therapeuten mit Klienten arbeiten. Dann können wir jede feine Nuance auffangen und darauf eingehen, um dem anderen beizustehen und zu helfen.

In dem Maß, wie wir lernen, unser Wahrnehmungsventil zu steuern, lernen wir gleichzeitig, immer besser zu unterscheiden, was von außen kommt und was aus uns selbst heraus kommt. Damit können wir uns auch auf eine vollkommen neue Weise selbst kennenlernen und Dinge verstehen, die zuvor in der Emotionssuppe untergegangen waren.

Die beste Nachricht bei der ganzen Sache ist, dass es keinerlei Brimborium braucht, um das Wahrnehmungsventil zu steuern. Keine Rituale, Meditation oder äußere Hilfsmittel. Diese Fähigkeit ist wie ein Muskel, der immer stärker wird, wenn man ihn trainiert, und steuern kann man ihn durch das Bewusstsein, durch die Absicht, das Ventil ganz auf- oder zuzumachen, oder vielleicht auch nur ein wenig weiter zu schließen als bisher. Ich beobachte, dass mir in den letzten Wochen immer öfter das Wahrnehmungsventil in Situationen in den Sinn kommt, in denen ich mich früher nur damit abgefunden hätte, dass meine Stimmung scheinbar grundlos in den Keller geht. Nachdem ich bewusst das Ventil geschlossen habe, kann ich heute beobachten, wie die Stimmung genauso schnell wieder bergauf geht. Faszinierend.

Eine weitere Beobachtung ist, dass es wirklich und ehrlich Übung braucht, die neue Fähigkeit zu trainieren. Wenn man anfängt, damit zu experimentieren und sich toll findet, weil es einem gelungen ist, das Ventil in einer Situation zu steuern, in der ein paar eklige Energien vorbeigewabert sind, dann heißt das noch lange nicht, dass man beim nächsten mittleren emotionalen Sturm in der Familie nicht doch wieder vollständig mitgerissen wird. Keine Panik und vor allem keine Selbstzweifel. Einfach weiter üben!

Ich bin der Überzeugung, dass jetzt die Zeit ist, um diese Gabe zu trainieren und sie bewusst einzusetzen zu lernen. Dann können wir beides: Durch ein Einkaufszentrum voller Menschen gehen ohne hinterher komplett durch den Wind zu sein, und dann, wenn es darauf ankommt, alle Sinne auf Empfang schalten, um für andere da zu sein, wenn sie uns brauchen. Und das ist eine der Fähigkeiten, die in der neuen Energie essenziell sind.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

4 Gedanken zu „Zu guter Letzt … (September 2016)

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