Zu guter Letzt … Juni 2017

Das „Zu guter Letzt“ im Juni besteht aus der Erzählung einer Begebenheit, die sich vor wenigen Tagen zugetragen hat, sowie dem Versuch einer Interpretation und einer Schlussfolgerung. Alles. was ich hier schreibe, ist rein persönliche Wahrnehmung, die sich nicht zwangsläufig auf andere übertragen lässt. Oder aber manchmal doch?

Was objektiv passiert ist

Wir haben drei Katzen. Momentan ist der Rest der Familie außer Haus, so dass die Katzen auf Wohl und Wehe mir ausgeliefert sind. Oder ich ihnen, je nachdem, wie man es sehen mag. Wer Katzen hat, weiß wovon ich rede. Wir haben einen großen Kater in den besten Jahren, sowie zwei noch junge Kätzinnen. Der Große ist unser Zen-Kater – ein Muster an Zentriertheit und Ausgeglichenheit. Er ist so etwas wie der Wächter über die Energie unseres Hauses. Die Kleinen sind jung, wild und ungestüm, in vielen Dingen noch unerfahren und haben auch so ihre Ecken und Kanten. Die Jugend halt.

Es war ein heißer Tag gewesen und, um die Kühle der Nacht zu nutzen, habe ich bei offenem Fenster geschlafen. Normalerweise bekomme ich nicht so viel mit, wenn ich schlafe, in dieser Nacht habe ich jedoch kurz Katzen-Kampfgeschrei gehört. Die Kleinen waren im Haus, der Große unterwegs, deshalb habe ich zumindest mal weiter gelauscht. Sekunden später sehe ich, wie eine der Kleinen über den Sims des offenen Fensters spaziert und – warum auch immer – theatralisch abschmiert. Das Schlafzimmer liegt im ersten Stock. Zwar können Katzen Stürze aus dieser Höhe in der Regel ohne Verletzungen überstehen, sicherheitshalber habe ich mich aber auf die Suche nach ihr gemacht. Ein erster Blick aus dem Fenster hat mir gezeigt, dass sie zumindest nicht mehr an der vermuteten Aufschlagstelle lag. Sobald ich draußen war, kam mir dann der Große entgegen und ich sah noch, wie die Kleine in Richtung Büsche rannte. Alle Versuche, sie ins Haus zu locken scheiterten, so dass ich irgendwann mit mulmigem Gefühl wieder schlafen gehen musste.

Am nächsten Tag saß sie nicht (wie gehofft) vor der Tür, sondern blieb verschwunden. Zwar war ich mir relativ sicher, dass sie sich nicht schwer verletzt hatte, die Ungewissheit jedoch blieb. Am Abend desselben Tages ist sie dann wieder aufgetaucht und so als ob nichts gewesen wäre, leise pfeifend ins Haus gegangen. Ein gründliches Durchkneten meinerseits hat sich willig über sich ergehen lassen, so dass ich davon ausgehen musste, dass sie sich, wie vermutet, nicht wehgetan hatte. So weit zu den Ereignissen in der physischen Welt.

Was in mir passiert ist und Interpretation

Wer Haustiere hat weiß, dass man sich sorgt, wenn eines verschwunden ist. Bei Freigänger-Katzen kommt es auch schon mal vor, dass sie einen oder zwei Tage verschwunden sind, bis sie wieder auftauchen. Normalerweise bin ich da relativ entspannt, diesmal jedoch waren die Stunden, in denen die Kleine verschwunden war die reinste Hölle. Voller Zweifel, ob sie vielleicht irgendwo verletzt liegt, war ich fast nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu arbeiten. Ich hatte nach menschlichem Ermessen alles getan, was getan werden konnte: Suchen, Rufen, Locken. Also blieb mir nur, irgendwie mit der Situation klarzukommen und zu warten.

Irgendwann im Laufe des Tages erschien mir der Berg an Emotionen dann doch zu groß dafür, dass mit der Katze wahrscheinlich ohnehin alles in Ordnung war und ich – Sorge hin oder her – eigentlich nur abwarten musste, bis sie wieder auftauchte. Vielleicht waren alte seelische Wunden im Spiel, die durch die Situation getriggert worden sind? Ein Lobgesang auf den Muskeltest als Werkzeug, denn dieser hat mir geholfen, mit dem Verstand ansatzweise zu erfassen, was auf emotionaler Ebene alles mit mir los war. Es zeigten sich tatsächlich alte Wunden aus meiner Vergangenheit, die ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln bearbeitete, soweit das möglich war. Mit diesem Wissen und der getanen Arbeit war es zwar immer noch die Hölle, jedoch konnte ich mit dem Verstand nun besser damit umgehen. Meine Intuition sagte mir zusätzlich, dass die Kleine wieder auftauchen würde, also musste ich „nur noch“ durchhalten.

Als sie dann schließlich wieder da war, fiel mir ein Gebirge von der Größe der Alpen vom Herzen. Gleichzeitig hatte ich das spontane Bedürfnis, diesen Erdrutsch an Emotionen zu nutzen, um die alten Schmerzen, die ich vorher hatte benennen können, quasi huckepack mit abfließen zu lassen. Solche Dinge wird man am besten los, indem man sie in die Erde fließen lässt. Für mich sah das dann so aus, dass ich bäuchlings auf dem Rasen lag und visualisierte, wie der Schmerz in Form eines Lavastroms zurück zum Erdkern fließt und dort recycelt wird. Die Nachbarn werden sich ihren Teil gedacht haben. Unser Zen-Kater tauchte natürlich nur Momente, nachdem ich mich hingelegt hatte, auf, legte sich neben mich und drückte sich fest an meine Beine. Was für eine Unterstützung! Als der Erdrutsch dann vorbei war, hatte ich das erste Mal an diesem Tag das Gefühl, präsent und geerdet zu sein.

Die Schlussfolgerung

Mit wem man gerade auch spricht, alle betonen, dass das energetische Wetter zurzeit besonders heftig ist. Lee Harris, dessen „Energy Updates“ ich gerne ansehe, spricht im Juni davon, dass wir gerade durch eine Phase hoch wogender emotionaler Energie gehen (ach wirklich?!) Als ich vor wenigen Tagen mit Daniel Mapel, dem Hersteller der Wild Earth Tieressenzen nach Mailand zur Konferenz geflogen bin, sagte er zu mir in einem Anfall grenzenloser Weisheit:

„If you haven’t started to take care of your stuff by now, the shit is hitting the fan. And if you have started, the shit is still hitting the fan, but you can deal with it.“

Übersetzt heißt das soviel wie: „Wenn wir bis jetzt noch nicht angefangen haben, uns um unser [emotionales] Gerümpel zu kümmern, dann ist die Kacke gerade am dampfen. Und auch wenn wir damit angefangen haben, ist die Kacke immer noch am dampfen, wir wissen nur, wie wir damit umgehen können.“

Die beschriebene Episode hat mich gelehrt, dass es nie größere Gelegenheiten gab, Stück für Stück unseren seelischen Ballast zu bearbeiten. Diese Gelegenheiten kommen mit alltäglichen Situationen, und wenn man sie erkennt und nutzt, kann man große Schritte vorwärts machen. Und nicht zuletzt sind wir dabei nicht alleine – Familie, Freunde und (ganz wichtig) die Haustiere sind unsere Helfer, die uns dabei unterstützen, damit wir uns um „unseren Krempel“ kümmern können. Und tatsächlich ist das auch alles, was es braucht. Denn wenn wir beginnen, die alten, vom Schmerz geprägten Muster Stück für Stück aufzulösen, können wir immer besser auf Situationen bewusst statt automatisch reagieren (engl. „respond“ im Gegensatz zu „react“) und damit immer besser bewusst am Steuerrad unseres Lebens stehen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

3 Gedanken zu „Zu guter Letzt … Juni 2017

  1. Mein lieber Carsten,
    mir ging das Herz auf bei der Lektüre Deines heutigen „zu guter Letzt…“-Beitrages mit der liebevollen Wachstumshilfe einer Eurer Klein-Kätzinnen. Schau mal:
    sie scheut keinen Aufwand, um Dich bei der Transformation alter Themen-Blockaden zu unterstützen! … sogar Übernacht-Aktionen werden geliefert“ -GRINS
    Ich gehe innerhalb der nächsten 2 Wochen mit meiner neu gestalteten website online und wollte Dich fragen, ob Du Dir vorstellen kannst, daß ich diesen Deinen o.g. ‚when-the-shit-hits-the-fan‘ blog-Beitrag -mit allen infos zu Dir als Verfasser + Hinweis auf Essenzenladen- in Gänze in meinem blog abdrucken darf?
    Ganz lieber Gruß von Petra aus dem Taunus
    http://www.tierverhalten-verstehen.de

  2. Pingback: Zu guter Letzt … (Juli 2017) | Das Essenzenladen Blog

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