Reagieren wir automatisch oder bewusst?

Dr. Sabina Pettitt (Pacific Essences)

von Dr. Sabina Pettitt,
Pacific Essences

„Enzo oder Die Kunst, ein Mensch zu sein“ ist ein köstlicher Roman über einen Mann, seinen Hund und sein Kind. Er wird aus der Sicht des Hundes erzählt und zeigt, wie sein Herrchen ein Weltklasse-Rennfahrer wird, während er durch all das Drama, den Kummer und den Verlust des Menschseins navigiert. Aber abgesehen von der herzerwärmenden Wohlfühlenergie des Buches habe ich mir auch diesen praktischen Rat daraus zu Herzen genommen, der anscheinend für alle angehenden Rennfahrer auf dem Lehrplan steht: Schau nicht dort hin, wohin du nicht willst.

Und in den letzten Wochen, während ich die teils unbewussten, teils bewussten Reaktionen der Menschen auf das Coronavirus beobachtet habe, habe ich viel über diesen Satz nachgedacht. Reagieren wir automatisch oder bewusst?

Nach meiner Erfahrung kommen unsere automatischen Reaktionen normalerweise vom sympathischen Nervensystem, dem Flucht- oder Kampfmechanismus, der uns vor drohender Gefahr schützt, indem er eine ganze Menge Adrenalin freisetzt. Das sympathische Nervensystem sendet Impulse an Drüsen und die glatten Muskelfasern, und gibt den Nebennieren den Befehl, Adrenalin und Noradrenalin in den Blutkreislauf freizusetzen. Diese „Stresshormone“ verursachen verschiedene Veränderungen im Körper, einschließlich eines Anstiegs der Herzfrequenz und des Blutdrucks.
Wenn wir hingegen bewusst auf eine Situation oder ein Ereignis reagieren, geschieht das normalerweise wohl überlegt und unter Einbeziehung aller wichtigen Aspekte. Hier holen wir erst einmal Luft und nehmen uns einen Moment Zeit, um alle unsere Ressourcen – mental, emotional und physisch – zu evaluieren und einzusetzen, bevor wir Maßnahmen ergreifen. Das parasympathische Nervensystem ist einer von drei Bereichen des autonomen Nervensystems. Der Parasympathikus wird manchmal als Ruhe- und Verdauungssystem bezeichnet und spart Energie, da er die Herzfrequenz verlangsamt, die Darm- und Drüsenaktivität erhöht und die Schließmuskeln im Magen-Darm-Trakt entspannt.

Wenn wir also Nachrichten über das Coronavirus hören, Angst bekommen, ins Geschäft gehen und alle Schutzmasken kaufen, die sie auf Lager haben, reagieren wir dann bewusst oder automatisch? Und was ist die bessere Haltung angesichts einer Situation, die sich tatsächlich zu einer Pandemie entwickeln könnte? Tatsache ist, dass wir es nicht wissen und wenn wir Zugang zu unserem inneren Kompass haben und ihm vertrauen, könnte es sein, dass wir gut damit umgehen können.

Als Doktor der Traditionellen Chinesischen Medizin ist es für meine Arbeit von fundamentaler Bedeutung, den gesamten Menschen zu betrachten, und nicht nur die aktuellen körperlichen Symptome zu notieren, sondern auch herauszufinden, wann die Symptome begannen und was zu diesem Zeitpunkt gerade im Leben des Patienten geschah. Es ist genauso wichtig, was er darüber denkt und wie er sich in Bezug auf das fühlt, was er physisch erlebt. In meiner Welt nehmen wir den gesamten Menschen vor uns, seine Gedanken, Gefühle und Lebenserfahrungen, sowie die Exposition gegenüber Keimen zur Kenntnis, die alle dazu beitragen haben können, warum der Patient zu mir gekommen ist.

Davon abgesehen passiert eindeutig etwas auf dem Planeten und es ist etwas, das Grenzen nicht respektiert und keinen Pass oder Visum benötigt, um Grenzen zu überschreiten. Das könnte aber auch eine gute Sache sein, oder? Endlich den Gedanken annehmen, wie er im Song „One People“ von Morrey Stearns heißt: „Alles, was du tust, berührt mich.“

Die chinesische und die ayurvedische Medizin existierten bereits lange vor Rene Descartes und seinem Postulat „Cogito ergo sum“ – „Ich denke, also bin ich“. Diese Aussage initiierte in der westlichen Welt die Trennung von Körper und Geist, beeinflusste jedoch die östliche Medizin in keiner Weise. Noch heute basiert die Schulmedizin jedoch auf dieser Philosophie, und wenn es keine erkennbare physische Erklärung für eine Krankheit gibt, dann muss es ein psychisches Problem sein – und man betritt ein völlig anderes Gebiet der Medizin, nämlich die Psychiatrie.

Die brillante Molekularbiologin Candace Pert, die das Buch „Moleküle der Gefühle: Körper, Geist und Emotionen“ geschrieben hat, war eine Schlüsselfigur bei der Entdeckung des Endorphin-Moleküls, der natürlichen Morphinform des Körpers. Sie wird manchmal auch als Mutter der Psychoneuroimmunologie bezeichnet, dem neueren Fachgebiet der Medizin, das Geist und Körper verbindet und die Ganzheit der Person wieder so herstellt wie sie war, bevor Descartes sie auseinandergerissen hat.

Die Arbeit von Pert und ihren Kollegen zeigt, dass eine Vielzahl von Proteinen, die als Peptide (einschließlich Endorphine) bekannt sind, zu den wichtigsten „Informationssubstanzen“ des Körpers gehören – und jede von ihnen kann unseren Geist, unsere Emotionen, unser Immunsystem, unsere Verdauung und andere Körperfunktionen gleichzeitig beeinflussen.

Eine weitere gewichtige Stimme auf dem Gebiet der Psychoneuroimmunologie ist Gabor Maté, ein kanadischer Arzt, der das Buch „Wenn der Körper Nein sagt“ geschrieben hat. Patient für Patient beschreibt er die Grundursachen von Krankheiten, einschließlich emotionaler und mentaler Reaktionen auf Lebenserfahrungen.

Was können wir also in diesem Moment tun? Sollten wir wie aufgescheuchte Hühner herumlaufen und allen erzählen, dass der Himmel einstürzt? Oder wäre es besser, in Ruhe innezuhalten und der inneren Führung folgen, um unser Handeln zu lenken? Halten Sie sich auf dem Laufenden UND wenn sie bemerken, dass das Hören von Nachrichten obsessiv wird oder ihr Gleichgewicht stört, hören Sie auf, auf das zu schauen, wohin Sie nicht wollen. Lenken Sie stattdessen Ihre Aufmerksamkeit auf etwas oder jemanden, der bei Ihnen Gefühle von Glück und Freude und natürlich Liebe erzeugt. Setzen sie sich an einen Baum und lauschen Sie dem Herzschlag von Mutter Erde.

Und wie unser sehr lieber Freund David sagt: „Genieße diesen kostbaren Tag.“

Die Frage ist nicht: Wie kann ich meinen Tod verhindern – weil man es schlicht nicht kann. Die Frage ist: Wie kann ich „die großartigste Version meiner größten Vision, die ich jemals von mir selbst erdenken kann“ leben und dann bewusst und mit Absicht die Energien in meine Erfahrungen einladen, die mich bei meiner Suche unterstützen werden.

Seit vielen, vielen Jahren betrachte ich das Immunsystem wie Emojis. Ein gesundes und vitales Immunsystem ist voller glücklicher Gesichter und produziert die Chemie des parasympathischen Nervensystems. Ein gestresstes Immunsystem entspricht stirnrunzelnden Smileys und zusammengebissenen Zähnen. Das sind die Nachwirkungen einer Reaktion, die die Flucht- oder Kampfreaktion des sympathischen Nervensystems in einem Moment ausgelöst hat, in dem unser Leben nicht wirklich bedroht war.

Mit Liebe und Segen und einer Fülle von glücklichen Gesichtern,
Sabina

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