Zu guter Letzt … Februar 2018

Als die Gebrüder Grimm 1852 ihr „Deutsches Wörterbuch“ veröffentlichten, enthielt es etwa 450.000 Wörter. Heute umfasst der Dudenkorpus die Grundformen von etwa 9 Millionen Wörtern. Die technische und gesellschaftliche Entwicklung der Welt hat dafür gesorgt, dass sich die Anzahl der Worte innerhalb von gut 160 Jahren verzwanzigfacht hat. Natürlich kommen Worte auch außer Mode oder werden schlicht nicht mehr benötigt. Und manchmal sollte man ein Wort auch bewusst nicht mehr benutzen – alleine schon diese Entscheidung hat weitreichende Konsequenzen auf unser Leben.

Für mich ist ein solcher Kandidat das Wort „Schuld“. Seine Definition ist recht harmlos und sachlich: Wenn jemand „schuldig“ an etwas ist, dann hat er etwas getan oder unterlassen, was für ihn selbst oder einen anderen negative Auswirkungen hat. In der Realität ist es jedoch so, dass das Gefühl schuld an etwas zu sein, also Schuldgefühle zu haben, einer der Hauptgründe dafür ist, warum wir nicht glücklich sind. Dabei bringt es weder uns noch gegebenenfalls demjenigen, der eine negative Auswirkung erlebt hat, etwas, wenn wir uns dauerhaft schuldig fühlen. In meinen Augen ist es Energieverschwendung, wenn wir an dem Gefühl, schuldig zu sein, festhalten.

Das ist selbstverständlich kein Plädoyer dafür, Schlechtes zu tun und sich danach gut zu fühlen. Vielmehr schlage ich vor, das Wort „Schuld“ durch „Verantwortung“ zu ersetzen. Wenn wir etwas getan haben, was für einen anderen negative Konsequenzen hatte, dann ist das Beste und einzig Sinnvolle, was wir tun können, die volle Verantwortung für unser Handeln zu übernehmen. Zuvor ist es jedoch auch noch notwendig, dass wir akzeptieren, dass geschehen ist, was geschehen ist.

Wenn wir beispielsweise etwas gesagt haben, was uns leid tut, dann können wir es niemals wieder rückgängig machen, auch wenn wir es uns noch so wünschen. Deshalb ist es sinnlos, darüber nachzudenken, was gewesen wäre, wenn … Gleichzeitig können wir, wenn wir die Verantwortung für unser Handeln übernehmen, versuchen Wege zu finden, den Schaden wiedergutzumachen oder zumindest zu lindern. Wenn wir dann alles in unserer Macht stehende dafür getan haben, dann gibt es keinen Grund mehr für Schuldgefühle. Sie nutzen nicht, sondern schaden nur.

Und was ist, wenn wir selbst der Meinung sind, dass wir alles zur Wiedergutmachung getan haben, aber andere noch mit dem Finger auf uns zeigen und uns Schuld zuweisen? Wenn wir selbst vollständig ehrlich zu uns sind und tief in unserem Herzen wissen, dass wir das getan haben, was zu tun war, dann gibt es keinen Grund dafür, die Schuldzuweisungen anderer anzunehmen. Wenn wir uns selbst im Spiegel in die Augen blicken können und ohne Wenn und Aber sagen können, dass wir alles getan haben, was wir tun konnten, um die Konsequenzen unserer Handlung wiedergutzumachen, dann ist es meiner Meinung nach in Ordnung und sogar notwendig, das, was die anderen auf uns projizieren möchten, bei ihnen zu lassen, denn es sagt dann mehr über sie als über uns aus.

Besonders interessant wird das Prinzip von Schuld vs. Verantwortung, wenn es um die eigene Gesundheit geht. Blickt man über den Tellerrand des rein Körperlichen hinaus, gelangt man schnell zu der Überzeugung, dass die verschiedenen Ebenen des Menschen – Körper, Geist und Seele – sich gegenseitig beeinflussen. Ich bin auch der Überzeugung, dass jeder körperlichen Erkrankung ein seelisches Ungleichgewicht vorausgeht. Bei einer Erkältung ist das vielleicht kurzfristig zu viel Stress, bei einer lebensbedrohlichen chronischen Erkrankung vielleicht Jahre oder Jahrzehnte des Unglücklichseins.

Dabei ist es jedoch unmöglich, einen zwingenden kausalen Zusammenhang herzustellen. Es ist nicht so, dass die Unglücklichen immer krank werden und die Glücklichen bis ins hohe Alter kerngesund sind. Jedoch bin ich schon der Meinung, dass seelisches Ungleichgewicht körperliches Ungleichgewicht begünstigt, und ebenso ist es für unsere Gesundheit zuträglich, wenn wir seelisch und geistig im Gleichgewicht sind.

Wenn es also so ist, dass es seelische Gründe für körperliche Symptome gibt, sind wir dann selbst „schuld“ daran, dass wir krank geworden sind? Um es kurz zu machen: Auch hier finde ich das Wort „Schuld“ destruktiv und fehl am Platz. Wenn wir denn schon krank sind, ist es sicherlich das Letzte, was wir brauchen, dass wir uns auch noch selbst die Schuld dafür geben. Statt einen Schritt in Richtung Heilung, bringt uns das nur noch tiefer ins Ungleichgewicht. Die Kehrseite der Medaille ist natürlich, dass wir auch niemandem anderen die „Schuld“ dafür geben können.

Wenn aber niemand schuld ist, was bleibt dann? Es ist wieder einmal die „Verantwortung“. Wer ist dafür verantwortlich, dass sich ein seelisches Ungleichgewicht auf körperlicher Ebene manifestiert? Nur ich selbst – aber die Energie dieser Aussage ist eine ganz andere als wenn wir uns selbst die „Schuld“ geben. Die positive Konsequenz ist, dass es auch nur von einer Person abhängt, aus dem Ungleichgewicht wieder ins Gleichgewicht zu gehen. Und diese Person bin ebenfalls nur ich selbst. Wir brauchen also niemanden, der uns die Erlaubnis gibt, wieder ins Gleichgewicht zu kommen. Es kann auch niemand verhindern, dass wir das tun. Alles was es braucht, ist unsere Absicht, unser Handeln und wahrscheinlich eine kleinere oder größere Menge an Unterstützung durch andere, denn nur, weil wir selbst alles in der Hand haben, heißt das nicht, dass wir auch alles alleine und ohne Hilfe bewerkstelligen müssen.

Schuldgefühle sind wie Wackersteine, die wir in einem Rucksack mit uns herumtragen. Sie sind nützlich, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen und Dinge wiedergutzumachen, denn sie erinnern uns an unsere moralischen Pflichten. Sie jedoch auf Dauer auf unserem Rücken durch unser Leben zu schleppen ist nutzlos und sorgt nur dafür, dass wir die Energie, die wir dafür benötigen, nicht nutzen können, um uns zu entfalten, uns zu freuen und unser Leben zu genießen.

Denken Sie doch einmal darüber nach, wofür Sie sich seit langem schuldig fühlen. Prüfen Sie dann, ob Sie bereits akzeptiert haben, was geschehen ist, oder ob Sie sogar noch in der „Wäre es doch nie geschehen“-Phase feststecken. Sobald sie akzeptiert haben, was passiert ist, übernehmen Sie die Verantwortung und suchen nach Wegen, für Änderung oder Ausgleich zu sorgen.

Der letzte Absatz fasst kurz und knapp zusammen, worum es mir in dieser Kolumne geht. Diese „Gebrauchsanweisung für den Umgang mit Schuldgefühlen“ kommt ganz simpel und unschuldig daher und wie alles im Leben, was wahr ist, wirkt sie fast trivial. Ihre Einfachheit soll jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Umsetzung beliebig viel Mut und Kraft in Anspruch nimmt. Und zuerst müssen wir uns selbst noch in die Lage versetzen, aus den altbekannten Mustern von Scham und Schuld auszubrechen – alleine das ist oft ein großer Schritt. Das Licht am Ende des Tunnels ist jedoch für mich immer gewesen, dass mich niemand daran hindern kann, mein Ziel zu erreichen. Sicher, es ist manchmal anstrengend, tut weh und kostet Überwindung. Aber die Verantwortung für das Gelingen trage ich ganz alleine.

Ich lebe mein Leben nun schon eine ganze Weile nach dieser Maxime und für mich ist es zu einem echten Trost geworden, dass ich niemand anderem die Verantwortung geben kann, wenn ich gescheitert bin. Und gleichzeitig ist es ein unglaublich bereicherndes Gefühl, wenn man sich selbst auf die Schultern klopfen kann, wenn man sein Ziel erreicht hat. Das Wort „Schuld“ habe ich dementsprechend schon lange aus meinem aktiven Wortschatz gestrichen und finde, es lebt sich so viel angenehmer und schöner.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (Januar 2018)

Dieses „Zu guter Letzt“ ist ein Plädoyer. Ein Plädoyer, endlich mit dem „Entweder/Oder“ aufzuhören und zu akzeptieren, dass ein „Sowohl/Als auch“ immer die bessere Lösung ist. Es geht mir dabei heute um den niemals enden wollenden Kampf zwischen den Anhängern der Schulmedizin und der Naturmedizin.

Natürlich greifen die Meinungsmacher und Lobbyisten unter den Schulmediziner alles an, was außerhalb ihres Verständnisses ist, bzw. ihre Pfründe in Gefahr bringt. Jedoch gibt es auch genügend Hardliner unter den Menschen, die der Naturmedizin nahestehen, und die alles, was der Schulmedizin entspringt, kategorisch ablehnen. Eines ist so gefährlich und dumm wie das andere.

Aktueller Fall: Eine Freundin der Familie wird von einem Pferd abgeworfen und ihr Nacken tut höllisch weh. Vorsichtshalber geht sie zum Orthopäden und dank der diagnostischen Instrumente der Schulmedizin wird schnell klar, dass zwei Halswirbel und die Schädelbasis gebrochen sind, glücklicherweise ohne eine Schädigung des Rückenmarks. Durch die fortschrittlichen Operationsmethoden der Schulmedizin können die Wirbel so weit fixiert werden, dass eine nachträgliche Schädigung des Nervengewebes ausgeschlossen werden kann und in sechs Wochen sind die Knochen geheilt und unsere Freundin wird wieder so gut wie neu sein. Dank der Schulmedizin wurde verhindert, dass die Brüche übersehen wurden und unsere Freundin vielleicht den Rest des Lebens vom Hals an gelähmt wäre. Zusätzlich helfen ihr Schmerz- und Beruhigungsmittel, den initialen Schock zu überstehen. Das sind Momente, in denen ich wirklich dankbar für die Segen der Schulmedizin bin.

Da unsere Freundin Heilpraktikerin ist, wird sie sicherlich im Anschluss an die Operation das gesamte Spektrum der Naturmedizin nutzen, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen, damit der Heilungsprozess schnell und ohne Komplikationen ablaufen kann. Die Schulmedizin hat hier ehrlich gesagt nicht viel anzubieten und wir befinden uns, sobald die akute Phase vorbei ist, in der Domäne der Naturmedizin.

Ich selbst bin schon lange der Meinung, dass es im Bereich der Medizin kein „Entweder/Oder“ geben darf, aber wer es gerne plakativ und überdeutlich braucht: Voilà. Ich verwende übrigens ganz bewusst nicht den Begriff Alternativ- oder Komplementärmedizin, denn vieles, was es in diesem Bereich gibt, ist viel älter als die Schulmedizin. In meinen Augen ist deshalb der Ausdruck „Naturmedizin“ viel passender.

Vielleicht bin ich naiv, aber ich habe sogar die Hoffnung, dass es irgendwann nur noch eine Medizin geben wird, die das Beste aus allen Welten vereint. Dazu ist es jedoch notwendig, dass auch die Betonköpfe unter den Schulmedizinern akzeptieren, dass es wahre Dinge gibt, die die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann, und dass auch das goldene Kalb der Empirik, randomisierte Doppelblindstudien, nicht alles beweisen oder widerlegen können. Gleichzeitig müssen sich all diejenigen an die eigene Nase fassen, die alles in der Schulmedizin ablehnen und verteufeln. „Alternative Betonköpfe“ sind genauso schlimm, wie ihre schulmedizinischen Pendants.

Ich selbst lebe nach dem Motto, dass es zu jeder Situation eine bestmögliche Lösung oder Unterstützung gibt, und ich versuche nach Kräften, diese ohne Scheuklappen zu sehen. Wenn ich erkältet bin werde ich nicht zum Arzt rennen und mir die „Segen“ der Pharmaindustrie verschreiben lassen. Mit Schüsslersalzen und homöopathischen Mitteln fühle ich mich in dieser Situation einfach besser unterstützt und behandelt. Als ich mir jedoch als Kind das Bein gebrochen hatte, war ich nach meiner Operation unendlich dankbar für die Schmerzmittel, die mir die Krankenschwester verabreicht hat – die sind ein tatsächlicher Segen der Pharmaindustrie, wie viele weitere Dinge auch.

Letztlich reduziert sich alles immer wieder auf die Themen „Verantwortung übernehmen“ und „gesunder Menschenverstand“. Solange ich der Meinung bin, dass jemand anderes für mein Wohl und meine Gesundheit verantwortlich ist, beispielsweise ein Arzt oder Heilpraktiker, entziehe ich mich der Aufgabe, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Das ist einerseits recht bequem, denn wenn es mir nicht gut geht, kann ich scheinbar die Schuld auf jemand anderen schieben. Doch der Schein trügt. Solange wir nicht selbst Verantwortung übernehmen, geben wir die Macht aus der Hand, selbst dafür zu sorgen, dass es uns gut geht. Ich persönlich ziehe es daher vor, selbst etwas für mein Wohlergehen tun zu können, anstatt darauf hoffen zu müssen, dass andere es tun.

Deshalb übernehme ich die Verantwortung für meine Gesundheit. Unter anderem bedeutet das, die Zeit dafür aufzuwenden, sich zu informieren und sich eine eigene Meinung zu einem Thema zu bilden. Es bedeutet auch, im Zweifelsfall zweite und dritte Meinungen einzuholen, und zwar aus allen Disziplinen der Medizin, die helfen können. Es bedeutet aber auch, gegebenenfalls nicht einer Meinung mit dem behandelnden Arzt zu sein, und eine Behandlung, die man nach gründlicher Recherche und reiflicher Überlegung für nicht sinnvoll erachtet, abzulehnen.

Dazu ein Beispiel: Als ich etwa Mitte 20 war und noch keine Ahnung von Naturmedizin hatte, plagten mich wiederkehrende Magenschleimhautentzündungen. Mein Hausarzt untersuchte und befragte mich und schlug relativ schnell eine Magenspiegelung vor, um einen eventuell vorhandenen Helicobacter pylori zu diagnostizieren. Ehrlich gesagt hatte ich nicht besonders Lust, ins Krankenhaus zu gehen und einen Schlauch zu schlucken, deshalb fand ich mich nicht mit seinem Vorschlag ab, sondern fragte nach, ob es nicht auch noch andere Optionen der Diagnostik gäbe. Nach mehrfachem und nachdrücklichen Fragen rückte er dann damit heraus, dass es da noch so einen Atemtest gäbe … Danach ging es schnell: Atemtest, Diagnose bestätigt, Antibiotikum und der Magen war wieder wie neu. Und das zu einem Bruchteil der Kosten, die eine Magenspiegelung verursacht hätte. Heute würde ich nach dem Antibiotikum noch dafür sorgen, dass meine Darmflora sich wieder regeneriert, damals hatte ich wie gesagt davon noch keine Ahnung.

Glücklicherweise scheint die Anzahl der Ärzte zu wachsen, die bewusst die Rolle einnehmen, die meiner Meinung nach jeder Heiler einnehmen sollte: als Berater und Begleiter. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen Zahnarzt gewechselt. Beim ersten Termin wollte ich ihn gleich darauf vorbereiten, dass ich kein einfacher Patient bin, mir den Luxus einer eigenen Meinung leiste und sogar darauf bestehe, dass ich selbst entscheide, was gemacht wird und was nicht. Zu meiner freudigen Überraschung bestätigte mich der Mediziner und sagte, dass ihm das die liebsten Patienten seien. Er selbst sähe sich nur als Berater. Fantastisch – so geht alles viel leichter.

Wir sind selbst für unser Leben und unsere Gesundheit verantwortlich und sollten diese Verantwortung aktiv übernehmen. Dazu gehört es auch Alternativen zu suchen, Optionen abzuwägen und mit dem Risiko zu leben, dass man vielleicht nicht die optimale Option gewählt hat. Wenn man sich informiert und den gesunden Menschenverstand trainiert und nutzt, funktioniert das prima. Und bei 99,999 Prozent der Entscheidungen die dabei zu treffen sind, geht es nicht um Leben und Tod, so dass wir sie entweder rückgängig machen oder mit dem nicht optimalen Ergebnis leben können.

Deshalb plädiere ich dafür, dass wir den Mut haben, die Verantwortung für unsere Gesundheit zu übernehmen, und zwar vollständig. Wir brauchen den Mut, dann die Schulmedizin zu nutzen, wenn sie die beste Option ist, und in Erwägung zu ziehen, dass die Naturmedizin Lösungen anzubieten hat, die man in der Schulmedizin nicht finden kann. Ich plädiere für ein gesundes Miteinander aller medizinischen Disziplinen und diejenigen, die dies langfristig erreichen können sind wir, die Menschen – wenn wir Verantwortung übernehmen und selbst entscheiden, was für uns gut ist.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (Dezember 2017)

Kennen Sie das Gefühl, wenn Sie ein Projekt haben, auf dem besten Weg sind, es abzuschließen, und sich dann auf der Zielgerade zwingen müssen, durchzuhalten, weil die letzten Meter noch einmal so richtig anstrengend sind? So ähnlich fühlt sich der Dezember für mich an. Das Jahr 2017 war voll von Aufforderungen zum Handeln, voll von Gelegenheiten für Heilung und Transformation und voll von Chancen für Veränderung. Das alles hat unglaublich viel Kraft gekostet – im schlechtesten Fall, weil wir dem energetischen Drängen Widerstand geleistet haben, im besten Fall, weil wir die Gelegenheiten genutzt haben. Nun sind wir auf der Zielgerade des Projektes „2017“ und schleppen uns mit letzter Kraft weiter.

Für mich fühlt sich dabei der kommende Jahreswechsel wie eine größere Zäsur an, etwas, das über den normalen energetischen „Reset“ hinausgeht, der jedes Jahr am 1. Januar stattfindet. Es ist wirklich schwer in Worte zu fassen, deshalb gefällt mir das Bild von Petra Schneider dazu sehr gut. Sie vergleicht diesen Jahreswechsel mit dem Wechsel in ein neues Schuljahr. Der Lernstoff einer Stufe ist abgeschlossen, jetzt geht es in die nächste.

Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, was der „Stoff“ des neuen Schuljahres sein wird. Wenn meine Überzeugungen zu diesem Thema auch nur ansatzweise in die Nähe der Wahrheit kommen, dann kann es jedoch nur leichter werden – falls wir unsere Hausaufgaben gemacht haben. Erinnern Sie sich daran, wie es in der Schule war? Da haben wir irgendwann gelernt, Zahlen miteinander zu multiplizieren. Anfangs war das eine große Herausforderung und Anstrengung. Doch mit zunehmender Routine und Übung ging es immer leichter und heute wissen wir im Schlaf, was sieben mal acht ist, wir müssen gar nicht mehr darüber nachdenken. Ich glaube, dass es mit den Lektionen des zu Ende gehenden Schuljahres genauso ist. Das, was wir neu gelernt haben, geht Stück für Stück in Fleisch und Blut über, so dass wir schon bald gar nicht mehr darüber nachdenken müssen, sondern es automatisch einfach tun.

Apropos Hausaufgaben: Was sind denn eigentlich die Dinge, die wir erledigen müssen, um zu lernen? Dazu eine kleine Geschichte, die mich im November und Dezember beschäftigt hat. Wir alle kennen, glaube ich, das Gefühl, wenn es eine vergangene Episode in unserem Leben gibt, die noch mit Wut, Schmerz und Verletzung „aufgeladen“ ist. Jedes Mal, wenn wir daran erinnert werden, fühlen wir dieses Grimmen im Bauch, das uns darauf hinweist, dass hier noch etwas zu tun ist. Jedoch braucht es oft den richtigen Zeitpunkt, um an den Kern der Sache, die ursprünglichen Gefühle heranzukommen.

Ende November bin ich durch eine Serie von Ereignissen wieder in (emotionale) Verbindung zu einer Zeit in meinem Leben gekommen, die einerseits sehr intensiv und schön, andererseits jedoch auch mit Verletzungen und Schmerz verbunden war. Es war offensichtlich, dass nun der rechte Zeitpunkt war, die noch vorhandenen Wunden genauer anzusehen. Das erste, was passierte, war, dass in Bezug auf zwei spezifische Ereignisse von damals eine immense Wut in mir aufstieg. Der wichtige Punkt hier ist zu verstehen, dass die Wut all die Jahre immer in mir drin gewesen ist, ich jedoch (aus verschiedenen Gründen) gewählt habe, sie nicht zu spüren und stattdessen den Deckel drauf zu machen. Genau das ist der Stoff, aus dem das Bauchgrimmen ist, das wir in Bezug auf alte Verletzungen spüren.

Aufgrund all dessen, was ich in meinem Leben bisher und insbesondere von Daniel Mapel (Wild Earth Animal Essences) lernen durfte, wusste ich, dass der einzige Weg, diese Wut endgültig loszuwerden, war, sie nach draußen zu bringen und auf angemessene Weise
auszudrücken. Also habe ich Kissen verprügelt, laut geschrien, wenn mich niemand hören konnte, geflucht, alte Fotos mit übelsten Schimpfworten geschmäht – kurz, ich habe alles gemacht, was mein jugendliches Ich benötigt hat, um seine Wut über das, was damals geschehen war, nachträglich auszudrücken. Mein Körper fand, dass er bei dem Spiel auch mitmachen sollte, und hat eine wunderbare Halsentzündung produziert, die mich seit gut zwei Wochen kontinuierlich daran erinnert, dass ich so viele Jahre innerlich gekocht habe. Entzündungen stehen übrigens in enger Verbindung zu Wut und Zorn.

Das Gute daran, wenn man seiner Wut Luft macht, ist, dass sie sich Stück für Stück in Luft auflöst. Erinnerungen, die zuvor geschmerzt haben, fangen an zu verblassen und ihre emotionale Ladung zu verlieren. Und genau das ist es, was „emotionale Heilung“ bedeutet. Die Vergangenheit verliert die Macht, die sie die ganze Zeit über uns gehabt hat, und wir können Ereignisse, die uns damals verletzt haben, heute klar und voller Mitgefühl für uns selbst sehen.

Jeder „Brocken“, den wir auf diese Weise kleiner machen oder sogar ganz auflösen, hilft uns dabei, wieder ein Stückchen mehr selbst am Ruder unseres Lebens zu stehen, anstatt ferngesteuert von alten Mustern und vielen eigenen „roten Knöpfchen“ zu glauben, dass andere für unser Glück verantwortlich sind.

Unsere Hausaufgaben bestehen also darin, alles zu tun, was notwendig ist, um Stück für Stück wieder heil zu werden. Dabei ist der Weg das Ziel. Ich glaube, dass wir erst in dem Moment, in dem wir diese Inkarnation beenden, wieder vollständig im Einklang sind. Jedoch wird das Leben, mit jedem Aspekt, den wir ein bisschen heiler machen, ein bisschen leichter. Ich finde das unglaublich befreiend, denn es gibt kein Ziel. Es gibt nur den Weg selbst und niemand gibt uns vor wie schnell oder wie weit wir gehen müssen – oder ob wir ihn überhaupt gehen. Wir entscheiden selbst und tragen die volle Verantwortung für das was wir tun. Gleichzeitig sind wir aber auch von niemand anderem abhängig. Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Niemand kann sie daran hindern, sich selbst zu heilen. Niemand.

Vor diesem Hintergrund werde ich die emotionalen Aufräumarbeiten, die ich begonnen habe, so weit wie möglich fortführen, meinen Körper pflegen und ihn dabei unterstützen, wieder vollständig gesund zu werden und zwischendrin die Erholungspausen machen, die nach diesem wirklich anstrengenden „Schuljahr“ angezeigt sind. Wir sollten die Belastung, die wir alle sowohl durch den oft immer stressiger werdenden Alltag, als auch durch die anstrengenden energetischen Prozesse haben, nicht unterschätzen. Seien Sie gut zu sich. Gönnen Sie sich eine Pause. Gehen Sie in die Sauna oder trinken Sie einfach genüsslich eine Tasse Tee. Sorgen Sie gut für sich!

Ich wünsche Ihnen einen guten Abschluss des Jahres 2017 und einen guten Start in ein spannendes Jahr 2018.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … November 2017

Manchmal kommt es anders als man denkt. Am Tag noch fit, hat mich abends begonnen, ein Virus zu überrollen, und in den folgenden sechs Tagen hat mir mein Körper sorgfältig und detailreich erläutert, wie viele verschiedene Arten von Durchfall es so gibt. Weitere Details erspare ich Ihnen natürlich, interessant ist jedoch das, was dabei sonst noch so geschah.

Bei meinen Streifzügen durch das Internet in den kurzen Toilettenpausen – also den Pausen von der Toilette – fand ich auf einer Website, einen Artikel, der mit einer Reihe von Irrtümern in Bezug auf Diarrhö aufräumen wollte. „Durchfall reinigt den Körper nicht, sondern ist eine Krankheit, bei der der Körper vor allem Flüssigkeit verliert“, stand dort. Aber warum soll sich das widersprechen? Kann nicht ein Prozess, bei dem der Körper zweifellos aus dem Gleichgewicht geraten ist den Sinn haben, einen Reinigungsprozess durchzuführen? Für mich hat es sich auf jeden Fall so angefühlt.

Diarrhö wird meistens von Viren und Bakterien ausgelöst, ebenso wie Erkältungskrankheiten. Das interessante ist jedoch, dass man, wenn man von einer zwingenden Ansteckung ausgeht, eigentlich fast immer krank sein müsste, denn wann kommt es einmal vor, dass nirgendwo in Familie oder Freundeskreis (oder im Bus oder im Supermarkt oder …) irgendjemand die Rüsselpest hat? Viren und Bakterien sind letztlich immer um uns herum. Die Frage ist nur, ob wir für sie empfänglich sind.

Nun, offensichtlich war ich gerade sehr empfänglich. Rückblickend betrachtet hat das Ganze mit einer individuellen Mischung von Wild Earth Tieressenzen begonnen, die mir Gabriel Mapel, Sohn des Herstellers Daniel Mapel, während des Seminars in Aschaffenburg empfohlen hat. Wenn wir die richtige Essenz für ein Thema zum richtigen Zeitpunkt nehmen, dann kann das durchaus eine durchschlagende Wirkung haben. In meinem Fall wäre etwas weniger „durchschlagend“ zwar angenehmer gewesen, aber was sein muss, muss sein. Ich habe mit der Essenz zuerst intensiv gearbeitet, dann intuitiv eine Pause eingelegt, und zwei bis drei Tage, bevor ich vom Virus überfahren wurde, wieder damit begonnen.

Wenn wir massive akute körperliche Symptome haben, tun wir gut daran, uns zuerst um sie zu kümmern – sie haben immer Priorität vor irgendwelchen emotionalen oder mentalen Themen, denn wenn der Körper nicht mehr funktioniert, bringen uns auch alle geheilten seelischen Themen der Welt unsere vollständige Gesundheit nicht wieder. Deshalb habe natürlich auch ich mich zuerst um den Flüssigkeitsverlust und das beständige Auffüllen von Elektrolyten gekümmert. Mit der Unterstützung meiner Familie habe ich dafür gesorgt, dass der Körper alles bekommt, was er braucht. Sobald das geregelt war, konnte ich meine Aufmerksamkeit jedoch auf die Dinge richten, die auf den anderen Ebenen vor sich gingen.

Da war zum einen das beständige Aufflackern von Mustern aus meiner Kindheit und Jugend, die mir teils wieder, teils erstmalig bewusst wurden – wie eine Aufforderung, sie nun loszulassen. Nicht unterstützende Muster sind körperliche, mentale oder emotionale Schemata, die wir uns zu einem Zeitpunkt in der Vergangenheit angeeignet haben, als sie notwendig für uns waren, um mit Situationen klarzukommen, die uns überfordert haben. Damals haben sie uns geholfen, zu überleben. Jedoch gilt für viele dieser Muster, dass sich unsere Situation grundlegend verändert hat. Wir sind heute kein Kind mehr und müssen damit klarkommen, dass wir uns einsam fühlen. Wir sind auch kein Jugendlicher mehr, der sich gegen zu große Einschränkungen seiner Eltern zur Wehr setzen muss. Das, was uns damals geholfen hat, unterstützt uns heute nicht mehr, oft behindert es uns sogar.

Der erste Schritt, um ein Muster tatsächlich aufzulösen ist es, es zu erkennen. Wenn wir nicht wissen, dass wir immer wieder dasselbe tun oder auf dieselbe Art und Weise reagieren, können wir nichts ändern. Wenn wir es dann allerdings erkannt haben, gibt es eine Reihe von Werkzeugen, beispielsweise Absichtserklärungen, um das Muster zu durchbrechen. Danach haben wir die Wahl: Kommen wir in eine Situation, die bisher eine automatische Reaktion in uns ausgelöst hat, können wir nun bewusst entscheiden, wie wir reagieren. Im Englischen gibt es dazu die schöne Unterscheidung zwischen „to react“ und „to respond“. Oft braucht es noch eine ganze Weile Aufmerksamkeit und Disziplin, bis sich ein Muster vollständig aufgelöst hat und wir neue, unterstützende Muster etabliert haben.

Ein Thema der Phase, durch die ich gerade ging, war also offensichtlich die Auflösung einer ganzen Reihe alter Muster, und es war spannend zu sehen, aus welchen Ecken und Winkeln meines Lebens sie alle hervorgekrochen kamen. Wenn man außer Gefecht gesetzt ist, hat man vor allem eines: Zeit. Deshalb konnte ich, bei allem körperlichen Leid, diese Phase der Ruhe nutzen, um aktiv mit den Mustern zu arbeiten. Gleichzeitig ist zu eine zwangsweise verordnete Auszeit natürlich auch immer ein Hinweis darauf, dass wir uns zuvor verausgabt haben. Ich müsste lügen, wenn ich behaupten wollte, die letzten Monate wären nicht extrem anstrengend gewesen. Dementsprechend hat sich mein Körper also die Zeit genommen, die er gebraucht hat, um einmal vollständig runterzukommen. Vielleicht hätte der Prozess, wäre ich nicht so ausgelaugt gewesen, etwas weniger lang gedauert … oder auch nicht,.

Eine weitere Ebene meines Prozesses war die komplette Neukalibrierung meines Darms. Dies beruht zugegebenermaßen ausschließlich auf intuitiven Erkenntnissen und erhebt keinen Anspruch auf physiologische Wahrheit oder Allgemeingültigkeit. Jedoch hat es sich für mich oft so angefühlt, als würde sich mein Darm komplett neu „programmieren“. Jeder, der sich schonmal intensiver mit seinem Körper auseinandergesetzt hat, wird darüber gestolpert sein, dass der Darm nicht „nur“ der Verdauung der Nahrung dient. Er spielt ebenso eine wichtige Rolle für das Immunsystem und wird gleichzeitig als eine Art emotionales Gehirn angesehen, er steht also in enger Verbindung mit dem, was wir fühlen.

Der menschliche Körper ist ziemlich gut darin, sich an die äußeren Einflüsse anzupassen. Das hat er über die Jahrzehntausende getan, und das tut er immer noch. In den letzten Jahrzehnten haben sich die Umwelteinflüsse drastisch verändert (Elektrosmog, Radioaktivität, Umweltgifte etc), mehr noch als in den 200 Jahren der industriellen Revolution. Deshalb braucht es momentan
ziemlich viel Anpassungsarbeit, um mit diesen Einflüssen klarzukommen, anstatt davon krank zu werden. Vielleicht war das, was ich als Neukalibrierung wahrgenommen habe genau eine solche Anpassung.

Je flexibler wir sind, desto einfacher ist es, sich anzupassen. Und Flexibilität bezieht sich dabei auf alle Ebenen: Gedanken, Emotionen, Seele und Körper. Wir tun also gut daran, unsere Fitness auf allen Ebenen zu trainieren. Körperlich ist das inzwischen selbstverständlich geworden, und für die anderen Ebenen gibt es Essenzen, die uns dabei helfen. Lesenswert hierzu ist das Buch „Das Ararêtama Mandala“ von Sandra Epstein, der Herstellerin der Ararêtama Regenwaldessenzen, in dem es umfassend um das Thema emotionale Fitness geht.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nur natürlich, dass eine körperliche und seelische Rekalibrierung Hand in Hand gehen. In einer Phase der Krankheit geschieht oft vieles auf vielen Ebenen, die wir nur bemerken, wenn wir genau hinsehen. Gleichzeitig liegen in solchen Zeiten auch oft viele Chancen, die wir ebenfalls nur bemerken wenn wir offen dafür sind und hinschauen. Werden wir krank, haben wir die Wahl: Leiden wir und sehen nur das Negative, oder kümmern wir uns um die körperlichen Bedürfnisse und versuchen zu erkennen, was die Krankheit uns an Positivem zu bieten hat? Es liegt nur an uns.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … Oktober 2017

Wenn ich so überlege, was denn das Thema für mein nächstes „Zu guter Letzt“ sein könnte, zeigt das Universum manchmal mit einem schelmischen Augenzwinkern, dass es einen sehr feinen Sinn für Humor hat. So auch wieder diesen Monat, in dem sich das Thema, wie die sprichwörtliche Katze, selbst in den Schwanz beißt.

Wie schon erwähnt, ist der Judosport mein großes Hobby. Die Mehrzahl der Menschen in den Industrieländern hat wohl eine ungefähre Ahnung, worum es beim Judo geht – es ist eine japanische Kampfsportart. Was jedoch die wenigsten wissen ist, dass Judo viel mehr als das ist. Der Begründer, Jigorō Kanō, hat einen großen Teil seines Lebens darauf verwendet, die verschiedenen philosophischen Richtungen der alten japanischen (Kampf-) Künste zu einer konsistenten und erstaunlich umfassenden Philosophie zusammenzufassen. Das interessante daran ist, dass sich seine Prinzipien natürlich auf der Judomatte, in besonderer Weise jedoch auch in so gut wie allen Situationen des alltäglichen Lebens anwenden lassen.

Die Quintessenz seiner Philosophie kondensiert sich in zwei Prinzipien: Jita-kyō-ei (自他共栄,„Gegenseitige Hilfe für den wechselseitigen Fortschritt und das beiderseitige Wohlergehen“) und Sei-ryoku-zen-yō (精力善用, „Bestmöglicher Einsatz von Körper und Geist“). Um letzteres soll es heute gehen.

Das Prinzip Sei-ryoku-zen-yō beschreibt, salopp gesagt, dass es nicht sinnvoll ist, mit dem Kopf durch die Wand zu wollen. Etwas elaborierter gibt es Wolfgang Dax-Romswinkel in seiner Artikelserie über den Judosport frei nach Jigorō Kanō wieder:

„Angenommen mein Gegner hat eine Stärke von 10 und meine eigene Stärke hat den Wert 7. Wenn er mich mit all seiner Kraft stößt, werde ich umfallen, da seine Kraft um 3 Einheiten größer ist als meine. Weiche ich aber im Moment seines Angriffs zurück, so wird er, da er einen Widerstand erwartet, der aber nicht erfolgen wird, nach vorne stolpern und sein Gleichgewicht für einen Moment verlieren, während ich selbst mein Gleichgewicht behalte. In diesem Zustand wird mein Gegner nicht mehr mit seiner ganzen Kraft kämpfen können. Seine Stärke ist vielleicht auf 3 gefallen. Ich dagegen besitze immer noch eine Stärke von 7 und kann ihn nun sogar mit nur der Hälfte meiner Kraft besiegen.“

Dieses Prinzip lässt sich in hervorragender Weise auch auf unser tägliches Leben übertragen.

Wenn wir bei dem was wir tun auf Widerstände stoßen, ist es dann sinnvoll, mit aller Kraft zu versuchen, diese zu überwinden? Druck erzeugt Gegendruck, das heißt, oft ist es so, dass unsere Bemühungen, den Widerstand zu überwinden letztlich dafür sorgen, dass sich dieser nur vergrößert. Vielleicht gelingt es uns sogar, den Sieg in diesem Spiel davonzutragen. Die Frage ist nur, was es uns gekostet hat und ob wir mit dem Erreichten wirklich glücklich sind.

Oder ist es vielleicht sinnvoller, den Widerstand zu unserem Vorteil zu nutzen? Der erste Schritt, dabei ist, dass wir erkennen, dass da ein Widerstand ist. Das ist oft schwierig genug, denn wie viele von uns haben sich längst daran gewöhnt, dass alles kompliziert, schwierig und anstrengend ist. Tatsächlich ist es eine weit verbreitete Überzeugung, dass das, was wir uns nicht „im Schweiße unseres Angesichts“ erarbeitet haben nichts wert ist (oder alternativ, dass wir es nicht verdient haben)? Und wenn dann mal etwas leicht und wie von selbst geht, dann stehen wir überrascht da und wissen nicht so recht, was wir nun damit jetzt anfangen sollen.

Das Leben funktioniert so, dass die Dinge, die gut für uns sind, leicht gehen. Vielleicht müssen wir die Ärmel hochkrempeln und sicher müssen wir die Initiative ergreifen, aber es darf leicht gehen. Und wenn es das nicht tut, dann liegt das daran, dass wir auf Widerstände gestoßen sind. Wenn wir das dann auch noch erkennen, dann haben wir den ersten Schritt getan, um Sei-ryoku-zen-yō im Alltag anwenden zu können.

Der zweite Schritt besteht darin, zu erkennen, worin die Widerstände bestehen und am besten auch, warum die Widerstände da sind. „Was hindert mich“ und „was muss ich tun, damit es mich nicht mehr hindert“ sind die beiden zentralen Fragen, auf die es leider keine pauschalen Antworten gibt. In der Regel weisen uns Widerstände darauf hin, dass der Weg, den wir uns ausgesucht haben, um zum Ziel zu kommen, so nicht funktioniert, oder, dass das Ziel selbst nicht zu unserem höchsten Wohl ist. In den seltensten Fällen jedoch, geht es darum, alles über den Haufen zu werfen und von vorne zu beginnen. In der Regel reicht es, den Weg oder das Ziel so zu modifizieren, dass es sich immer noch gut und richtig anfühlt, aber der Widerstand keine Angriffsfläche mehr findet.

Der dritte und letzte Schritt dreht sich darum, das, was sich uns ursprünglich in den Weg gestellt hat, zu unserem Vorteil zu nutzen. Wenn wir bis zu diesem Schritt gelangt sind, haben wir bereits profitiert, weil wir erkannt haben, dass wir etwas an unserem Weg verändern müssen, um erfolgreich zu sein. Vielleicht haben wir dabei auch etwas über uns selbst und die Art und Weise, wie wir auf Herausforderungen reagieren, gelernt. Oft gibt es uns auch neue Kraft und neuen Schwung, wenn sich Widerstände wie von selbst auflösen, wenn wir unseren Kurs korrigiert haben. Und manchmal verwandeln sich Menschen oder Situationen, die einst zwischen uns und unserem Ziel gestanden haben, sogar in wertvolle Ressourcen, die uns auf unserem weiteren Weg unterstützen. Das Potenzial dafür ist immer da – wir müssen nur in der Lage sein, es zu erkennen und zu nutzen.

Ein ganz ähnliches Prinzip verkörpert übrigens das Element Wasser aus der Traditionellen Chinesischen Medizin: Wasser reagiert auf Druck nicht mit Gegendruck, sondern es umfließt seine Hindernisse, wie große Kieselsteine in einem Bachbett. Wasser ist daher ein sehr sanftes und nachgiebiges Element. Gleichzeitig ist Wasser auch ungeheuer kraftvoll, was jeder bestätigen kann, der schon einmal in einem Sturm auf dem Meer war. Eine schöne Essenz, um das eigene Wasserelement ins Gleichgewicht zu bringen ist die Elementemischung „Water“ von den Pazifikessenzen.

Je länger ich mich mit den Judoprinzipien beschäftige, desto faszinierender finde ich sie. Wo ich anfangs mir noch lächelnd dachte, dass sie sicher gut und tiefgründig, jedoch nicht wirklich universell sind, erkenne ich nun, dass sie sich auf wirklich unglaublich viele Situationen und Herausforderungen anwenden lassen.

Und warum beißt sich bei diesem Thema nun die Katze in den Schwanz? Ganz einfach: In den letzten Wochen habe ich meine Judo-Trainer-Lizenz erworben und mich dementsprechend intensiv mit diesen Themen auseinandergesetzt. Anstatt mir nun irgendein Thema zu suchen, haben ich meine Beschäftigung mit dem Thema effizient genutzt, um den Artikel zu schreiben. Ein schönes Beispiel für die Anwendung von Sei-ryoku-zen-yō im Alltag.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (September 2017)

Wie treffen Sie Entscheidungen? Denken Sie alles intensiv durch? Machen Sie eine Liste mit Argumenten pro und contra für jede Option? Lassen Sie sich beraten – vielleicht durch Freunde oder einen Fachmann? Je nach Größe und Tragweite der Entscheidung mache ich all das. Allerdings beeinflusst das meine Entscheidung nur etwa zur Hälfte. Die anderen 50 % kommen aus der Frage: „Wie fühlt es sich an?“.

Ich habe in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal darüber geschrieben, für wie wichtig ich es halte, die Intuition mit in den Prozess der Entscheidungsfindung einzubeziehen. Ich könnte auch noch ausführlich darüber schreiben, wie mein Bauchgefühl mich schon einige Male davor bewahrt hat, mich für objektiv „richtige“ Optionen zu entscheiden, die sich dann im Nachhinein als ziemlich schlecht oder als fauler Kompromiss herausgestellt haben. Aber darum geht es mir heute nicht.

Je weiter wir uns entwickeln, desto wichtiger ist es, dass wir dem Weg unseres Herzens folgen. Das Bauchgefühl bei Entscheidungen mit einzubeziehen ist dazu unerlässlich. Die Intuition ist jedoch wie ein Muskel: Wenn wir sie nicht regelmäßig und intensiv benutzen, dann ist sie untrainiert und schwach. Und je häufiger wir sie benutzen, desto stärker und klarer wird sie.

Insbesondere, wenn wir gerade erst begonnen haben, unsere „Bauch(gefühl)muskeln“ zu trainieren, kann es uns schwerfallen, die Intuition aus dem allgemeinen Wirrwarr von Gedanken und Gefühlen herauszuhören. Und selbst wenn wir unsere Intuition bereits virtuos benutzen, ist es hilfreich, sich immer wieder die folgende Frage zu stellen:

„Fühlt es sich wirklich GUT an, oder fühlt es sich nur weniger schlecht an?“

Das ist ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied! Und insbesondere, wenn es um große Entscheidungen geht, sollten Sie sich mit „weniger schlecht“ nicht zufriedengeben. Bei den wirklich wichtigen Entscheidungen in unserem Leben – Beruf, Wohnung, Partner – sollte kein Spielraum für faule Kompromisse vorhanden sein. Wenn Sie aus einer für Sie negativen Situation in eine andere Situation wechseln, die vielleicht ein bisschen weniger, aber immer noch negativ ist, was haben Sie dann gewonnen?

Wenn eine Option sich wirklich gut anfühlt, dann werden Sie sich darauf freuen, sie umzusetzen. Sie werden sich auf das Gefühl freuen, das Sie haben werden, wenn die Option Realität geworden ist. Im Gegensatz zum Verstand, der sich vielleicht Gründe ausdenkt, warum das alles nicht funktionieren kann, wird ihr Bauch bei dem Gedanken an die Option vollkommen wohlig und ruhig sein. All das sind Hinweise darauf, dass Ihre Intuition Ja sagt. Und noch einmal: Je wichtiger die Entscheidung, desto wichtiger ist es, dass auch Ihre Intuition mit im Boot ist und zustimmt. Im August 2014 habe ich geschrieben:

„Ich gehe so weit zu sagen, dass es besser ist, bei Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen lieber nein zu sagen, wenn man nicht zu 100 % ja sagen kann.“

In den drei Jahren, die seither vergangen sind, ist es aus meiner Perspektive noch viel wichtiger geworden, dieses Prinzip zu berücksichtigen, denn energetisch gesehen funktionieren faule Kompromisse heute noch viel weniger, als sie es jemals getan haben. Die gute Nachricht dabei ist, dass der Lösungsansatz, den ich damals angeboten habe, heute immer noch (und sogar noch besser) funktioniert:

„Manchmal reicht es aus, wenn man an den Parametern der Entscheidung dreht, bis man ein vollständig gutes Gefühl hat, manchmal braucht es zuerst einen Umweg, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Und manchmal ist es auch notwendig, dass man das Ziel als Ganzes infrage stellt. Egal, was davon zutrifft – wenn wir uns angewöhnen, große Entscheidungen nur so zu treffen, dass wir vollständig und bedingungslos ja sagen können, dann machen wir uns das Leben auf jeden Fall ein ganzes Stück leichter und angenehmer.“

Wir sind nicht auf der Erde, um zu leiden – wir sind hier, um uns zu entfalten und Spaß daran zu haben. Bei der Wahl unserer Entscheidungen ist unser Bauchgefühl das Werkzeug, das uns so gut wie kein anderes dabei helfen kann, in die Richtung zu gehen, die uns zu mehr Freiheit und Entfaltung führt. Und wenn Sie in Zukunft große Entscheidungen treffen müssen, dann könnten Sie folgende Vorgehensweise ausprobieren:

  1. Werden Sie sich darüber klar, welche Optionen es gibt, egal ob in Ihren Augen realistisch oder nicht. Unsere eigene Vorstellung davon, was realistisch ist, ist lächerlich klein im Vergleich zu dem, was tatsächlich machbar ist.
  2. Sortieren Sie alle Optionen aus, die sich schlecht anfühlen.
  3. Teilen Sie die restlichen Optionen in zwei Gruppen auf: diejenigen bei denen Ihr Bauchgefühl „Ja aber“ sagt, und diejenigen, bei denen Ihr Bauchgefühl klar „Ja“ sagt. Legen Sie die „Ja aber“ Gruppe vorerst beiseite.
  4. Prüfen Sie die Optionen aus der „Ja“ Gruppe auf Machbarkeit. Stellen Sie sich die Fragen: „Was muss ich tun, um das möglich zu machen?“ „Wie kann ich vorgehen?“ „Wer kann mir dabei helfen?“ „Werde ich langfristig damit glücklich sein?“ Investieren Sie Zeit und Gehirnschmalz in die Beantwortung der Fragen. Lassen Sie sich nicht vom kleinen Verstand abbringen, der Ihnen vielleicht einreden will, dass Sie zu klein/dumm/arm/alt oder sonst etwas sind, um Ihr Ziel zu erreichen.
  5. Sollten Sie dabei immer wieder gegen Wände und verschlossene Türen rennen, wenden Sie sich der „Ja aber“ Gruppe zu. Fragen Sie sich selbst: „Was muss ich verändern, damit aus dem „Ja aber“ ein klares „Ja“ wird. Wenn Sie dabei erfolgreich sind, dann stecken Sie die veränderten Optionen in die „Ja“ Gruppe und gehen zurück zu Schritt 4.

Geht man vornherein mit einer klaren Vorstellung davon, was möglich ist, in einen Entscheidungsprozess hinein, limitiert man sich selbst unnötig. Wenn man jedoch im ersten Schritt alle Optionen zulässt, ist man oft erstaunt, über die Vielzahl und Einfachheit der zur Verfügung stehenden Optionen. Und wenn man die Intuition als gleichberechtigten Partner in seine Entscheidungen mit einbezieht, dann können Wunder geschehen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

 

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Zu guter Letzt … (August 2017)

Kunden fragen uns regelmäßig nach Essenzen zu den Themen „Vergebung“ und „Loslassen“. Und natürlich gibt es wunderbare Mischungen, die uns genau dabei unterstützen können, beispielsweise Forgiving von den Pazifikessenzen und Letting Go von den Wild Earth Tieressenzen. Oft jedoch, wenn man ein wenig genauer hinsieht, stellt man fest, dass es ein grundsätzliches Missverständnis gibt, was Loslassen und Vergeben überhaupt bedeutet, und wie Essenzen uns dabei helfen können.

Wenn man sich auf den Weg macht, um als Mensch zu wachsen und sich weiterzuentwickeln, stolpert man zwangsläufig über die beiden Themen. Wir alle haben Dinge, die wir gerne loslassen würden und ich habe auch noch nie jemanden getroffen, der der Meinung war, nichts zu vergeben zu haben, und sei es „nur“ sich selbst gegenüber. (Nebenbei: Das ist der erste und wichtigste Schritt. Wenn wir uns selbst nicht vergeben können, wie wollen wir dann anderen etwas vergeben?)

Sucht man im Internet nach Literatur zum Thema, findet man lustige Dinge wie „Radikale Vergebung“ und „Loslassen lernen mit Hypnose“. Ich stelle mir dann gelegentlich vor, wie jemand sich auf einen Stuhl setzt, die Augen schließt und versucht, sich krampfhaft einzureden, dass er einer bestimmten Person vergibt. Die Erfahrung zeigt, dass das nicht funktioniert, tatsächlich ist es eher ein Weg der Vermeidung, statt ein Weg zur Lösung. Und das hat meiner Meinung nach zwei Gründe:

  1. Loslassen und Vergeben sind nichts, was wir aktiv tun können, stattdessen ist es die automatische Konsequenz, wenn wir unsere seelischen Verletzungen heilen.
  2. Solange der seelische Schmerz in Bezug auf ein Thema oder eine Situation nicht geheilt ist, gibt es kein vollständiges Vergeben und kein vollständiges Loslassen.

Kennen Sie das? Wenn man zurück an eine Situation denkt, in der man verletzt wurde, spürt man auch immer wieder den Schmerz, meistens in der Gegend des Solarplexus. Vielleicht ist es ein Stechen, vielleicht ein Ziehen; vielleicht fühlt es sich an wie ein Knoten oder tatsächlich wie eine offene Wunde. Die Erinnerung ist mit Emotionen gekoppelt, die sich gar nicht gut anfühlen. Immer dann, wenn Sie an etwas denken und dabei den Schmerz spüren, können Sie sicher sein, dass das Thema noch nicht geheilt ist. Versuchen Sie besser erst gar nicht, den beteiligten Personen zu vergeben, das funktioniert bestenfalls auf der Ebene des Verstandes, nimmt den emotionalen Schmerz aber nicht weg und ist damit mehr Augenwischerei und Selbsttäuschung als tatsächliche Heilung. Wir lügen uns selbst in die Tasche, indem wir sagen, dass wir ja am Thema arbeiten und Schritte in Richtung Lösung gehen.

Und jetzt erinnern Sie sich einmal daran, wie sie gestern über die Straße gegangen sind. Vorausgesetzt, sie sind heil angekommen, werden Sie feststellen, dass mit dieser Erinnerung keinerlei schmerzvolle Emotionen verbunden sind. Der Solarplexus ist vollständig ruhig und entspannt, wenn Sie daran denken. Erst wenn Sie sich an Situationen erinnern, in denen Sie verletzt wurden, und sich Ihr Solarplexus (oder wo auch immer Sie den Schmerz normalerweise spüren) ruhig und entspannt anfühlt, können Sie sicher sein, dass die Verletzung von damals vollständig geheilt ist. Die Erinnerungen werden bleiben, und es geht auch nicht darum, zu vergessen. Die Macht jedoch, die der Schmerz über uns hatte, ist gebrochen. Und das Lustige ist: Wenn Sie in Bezug auf eine bestimmte Situation oder Person an diesem Punkt angekommen sind, gibt es gar keine Notwendigkeit mehr, zu vergeben oder loszulassen, denn es ist bereits von selbst geschehen. Alles, was wir tun müssen, ist also „nur“, unsere eigene Verletzung zu heilen.

Das hat zwei wichtige Konsequenzen, eine positive und eine, sagen wir: anstrengende. Zum einen gibt es, und das ist die gute Nachricht, niemanden außer uns selbst, der verantwortlich dafür ist, unsere Wunden zu heilen. Es kann uns niemand daran hindern und wir sind von niemand anderem dabei abhängig. Wenn wir die volle Verantwortung für unseren Schmerz übernehmen, haben wir auch die volle Macht, ihn zu heilen. Ohne Wenn und Aber. Zum anderen, und das ist der anstrengende Teil, bedeutet es jedoch auch, dass uns niemand die Arbeit abnehmen kann, und dass es keinen Weg gibt, wie man darum herum kommt. Das heißt jedoch nicht, dass wir die ganze Arbeit alleine tun müssen. Wir können uns jederzeit Hilfe holen.

Es gibt viele Wege, wie man an der Heilung der eigenen seelischen Verletzungen arbeiten kann. Diejenigen davon, die wirklich funktionieren, beziehen immer alle Ebenen mit ein: Den Verstand, den Körper und vor allem die Emotionen, denn die sind der Schlüssel zur Heilung.

Wir haben als Menschen wundervolle Selbstheilungskräfte. Unser Körper weiß, was er tun muss, um sich bei Verletzungen wieder zu regenerieren. Er sorgt dafür, dass Schorf unsere Wunden bedeckt, dass Schnitte wieder zuwachsen und dass gebrochene Knochen wieder heilen. Unsere Seele weiß auch, was sie tun muss, wenn sie verletzt wird, und der Weg, den sie zur Heilung nutzt, sind unsere Emotionen.

Aus der Psychologie und Medizin ist bekannt, dass Menschen, die sich, beispielsweise auf einer Wanderung, verletzen während sie alleine unterwegs sind und keine Hilfe in Sicht ist, weniger Schmerz spüren und emotional stabiler sind. Das ist ein Überlebensmechanismus von Körper und Seele, der uns in die Lage versetzt, so lange zu „funktionieren“, bis wir Hilfe gefunden haben, also zum Beispiel ins nächste Dorf gehumpelt sind. Wenn wir dort angekommen sind und ärztlich versorgt werden, brechen sich dann die Emotionen und der Schock ihre Bahn und wir holen das nach, was wir eigentlich direkt in der Situation hätten tun müssen, als wir verletzt wurden. Das Ausdrücken von Gefühlen wie Schmerz, Wut und Trauer sind die Hilfsmittel der Seele, um sich selbst zu heilen, in unserem Beispiel vom Schock der Verletzung.

Werden wir rein emotional verletzt, gibt es für den Körper erst einmal nichts zu tun, jedoch umso mehr für die Seele. Wenn wir in einem Umfeld sind, wo uns jemand in den Arm nimmt, uns tröstet, und uns einen sicheren Rahmen gibt, in dem wir unsere Emotionen ausdrücken können, geschieht die Heilung dadurch wie von selbst und es bleibt normalerweise keine dauerhafte Wunde zurück.

Wie oft ist es jedoch der Fall, dass wir in solchen Situationen alleine gelassen werden, besonders als Kind? Wie oft ist niemand da, der uns den sicheren Rahmen gibt oder vielleicht bekommen wir sogar zu hören „Stell dich nicht so an!“ oder „Jungs weinen doch nicht!“. Immer dann, wenn das geschieht, wird der natürliche Fluss der Emotionen unterbrochen und die Selbstheilung kann nicht geschehen. Stattdessen werden die schmerzvollen Gefühle wie in einen Akku in uns gespeichert und sie bleiben da, bis wir sie irgendwann endlich fließen lassen können. Das Dumme an der Sache ist nur, dass es Kraft kostet, all das, was im Akku drin ist, dort zu halten. Und diese Energie steht uns nicht zur Verfügung, um uns zu entfalten und Spaß am Leben zu haben. Gleichzeitig sorgt der Schmerz dafür, dass wir Vermeidungsmuster entwickeln, die uns das Leben beliebig schwer machen können.

Vor diesem Hintergrund wird dann auch sehr klar, warum bewusstes Vergeben und Loslassen (mentale Ebene) alleine nicht funktionieren kann, solange der Schmerz (emotionale Ebene) noch im Akku gespeichert ist.

Die gute Nachricht ist, dass wir jederzeit damit beginnen können, den Akku zu entleeren, und zwar in unserem eigenen Tempo. Dabei geht es nicht darum, traumatische Situationen neu zu durchleben, es genügt, sich mit den Emotionen von damals zu verbinden und sie (endlich) auszudrücken. Jemand, der sich mit dieser Art von Arbeit sowohl am eigen Leib als auch als Therapeut hervorragend auskennt, ist Daniel Mapel, Hersteller der Wild Earth Tieressenzen. In diesem Zusammenhang sei auch noch einmal auf seinen Workshop zu exakt diesem Thema hingewiesen, den er im Oktober bei uns in Aschaffenburg halten wird.

Es ist mir wichtig, noch einmal darauf hinzuweisen, dass wir diese Arbeit nicht alleine tun müssen. Besonders, wenn wir gravierende Verletzungen mit uns herumtragen, ist es sinnvoll und hilfreich, wenn wir für Hilfe sorgen, sei es durch unseren Partner, einen vertrauten Freund oder einen Therapeuten. Gleichzeitig ist es nicht gut, wenn wir versuchen, das alles möglichst schnell zu erledigen. Jedes Ding braucht seine Zeit und wenn wir uns selbst unter Druck setzen, verpassen wir nur Gelegenheiten, in die Tiefe zu gehen und zur Wurzel der Verletzung zu kommen. Gleichzeitig ist es gar nicht notwendig, alles auf einmal erledigen zu wollen, denn mit jedem Wackerstein, den wir sprichwörtlich aus unserem Rucksack herausgenommen haben, wird der weitere Weg schon ein wenig leichter. Der Weg ist das Ziel.

Und welche Rolle spielen nun die Essenzen für Loslassen und Vergebung dabei, wenn das ohnehin alles automatisch geschieht? Wie gesagt, können sie uns ganz sicher nicht die eigentliche Arbeit abnehmen. Jedoch sind die Essenzen hilfreich, wenn es darum geht, Muster zu verändern, die wir zu einer Zeit entwickelt haben, als der Schmerz noch da war, die aber nun, da er geheilt ist, keine Daseinsberechtigung mehr haben und uns behindern. Sie können uns dabei helfen, diese Muster auf der Ebene unseres Verhaltens, unserer Gefühle oder unseres Denkens zu durchbrechen, damit wir neu wählen können, wie wir auf bestimmte Personen oder Situationen zukünftig reagieren wollen. Und natürlich gibt es viele Essenzen, die uns bei der Arbeit, den alten Schmerz und die alte Wut auszudrücken, unterstützen können, allen voran die Healing Path Essenzen, ebenfalls von Daniel Mapel.

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass all das, was ich hier beschrieben habe, funktioniert. Mein eigenes Leben hat sich dadurch massiv zum Positiven verändert. Dabei ist dies ein Weg, der niemals zu Ende ist. Es kommen neue Verletzungen hinzu, und selbst diejenigen, mit denen man schon seit Ewigkeiten arbeitet, kommen immer wieder, jedoch wird es mit jedem Mal leichter, sich darum zu kümmern. Wenn uns die Arbeit mit einer bestimmten Verletzung zu Beginn des Weges noch für zwei Wochen in ein Loch geworfen hat, werden wir sie irgendwann begrüßen wie einen alten Freund, uns zwei Minuten um sie kümmern und dann weiterschicken können.

Ich bin der festen Überzeugung, dass sich die Welt, wenn jeder damit beginnen würde, sich um seine eigenen seelischen Verletzungen zu kümmern, drastisch zum Positiven verändern würde. Und jeder einzelne, der heute damit beginnt, trägt seinen kleinen Teil dazu bei, dass das geschieht, wenn auch nicht schlagartig, dann doch zumindest allmählich.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (Juli 2017)

Während meiner Einstimmung auf das neue „Zu guter Letzt“ habe ich mir kurz noch einmal angesehen, was ich letzten Monat geschrieben hatte. Voller Erstaunen habe ich dabei festgestellt, dass es der Text über mein Erlebnis mit unserer Katze war. Gefühlt habe ich ihn bereits vor einer halben Ewigkeit geschrieben, und doch ist es erst vier Wochen her.

Diese Diskrepanz passt sehr gut in die aktuelle Qualität der Zeit. Es passiert auf so vielen Ebenen so viel gleichzeitig, dass man gut das Gefühl haben kann, doppelt so schnell zu leben wie gewöhnlich. Und irgendwie fühlt es sich so an, also ob sich energetisch gesehen unser Raumschiff Erde in der Beschleunigung zum Sprung durch die Lichtmauer befindet – Star Wars lässt grüßen.

Eine Konsequenz dieser anhaltenden Intensität ist, dass viele weiterhin das Gefühl haben, überwältigt zu sein. Egal, was wir in der physischen Realität tun oder nicht tun, egal wie gut wir uns ausruhen, manchmal fühlen wir überfordert, die einfachsten alltäglichen Dingen zu tun. Tatsächlich ist jedoch in unserem Leben oft so viel los, dass wir gar nicht dazu kommen, uns so auszuruhen, wie wir es eigentlich bräuchten, denn neben all dem, was da energetisch passiert, ist auch der Alltag momentan so voll mit Terminen und Dingen, die zu tun sind, dass wir nur noch mit den Ohren schlackern können.

Immer dann, wenn wir das Gefühl haben, dass alles zu viel wird, sollten wir uns eines vergegenwärtigen: Auch wenn wir wahrscheinlich nicht den leisesten Schimmer davon haben, was da gerade energetisch vor sich geht, ist es für die meisten dennoch spürbar, *dass* gerade etwas ziemlich Intensives passiert. Wo es uns hinführen wird? Ich weiß es nicht. Aber ich bin mir zu 100 Prozent sicher, dass die Richtung positiv ist.

Ich bin mir auch sicher – und das ist ein wichtiger Aspekt für diejenigen, die dazu neigen, sich in eine Opferrolle zu begeben – dass wir dem was da passiert nicht einfach ausgeliefert sind. Zum wiederholten Mal ist die Metapher des Flusses des Lebens hilfreich:

Als wir auf die Erde gekommen sind, sind wir in den Fluss gesprungen. Vollkommen freiwillig und der Tatsache bewusst, dass es darin eine starke Strömung gibt. Am Anfang konnten wir noch nicht selbst schwimmen und waren auf die Hilfe unserer Eltern angewiesen. Als wir dann gelernt haben, wie man über Wasser bleibt, waren wir so damit beschäftigt, dass wir gar nicht mitbekommen haben, wohin der Fluss uns trägt. Und dann kamen die ersten kleineren Stromschnellen, die unsere Fähigkeit zu schwimmen auf die Probe gestellt haben. Meisterhaft haben wir die einzelnen Herausforderungen bewältigt und uns daran gewöhnt, dass es ab und zu anstrengend ist und Kraft kostet, mit dem Fluss des Lebens zu gehen.

Inzwischen haben wir als Menschheit, wie es scheint, unsere Schwimmkünste so weit vervollkommnet, dass das Universum (oder Gott, oder …) der Meinung ist, dass es Zeit für die nächste Herausforderung ist. Deshalb wurde auf der Erde das Stellrad für die Stromschnellen des Lebens offensichtlich sprunghaft um drei bis fünf Intensitätsstufen herauf gedreht – und wir sitzen gerade mittendrin. Am Fluss und seiner Geschwindigkeit können wir nichts ändern. Wohl aber, wie wir uns darin verhalten. Versuchen wir, Widerstand zu leisten, oder nutzen wir die erhöhte Geschwindigkeit, um selbst schneller voranzukommen?

Im letzten Monat habe ich beschrieben, wie sich bei mir alter emotionaler Ballast quasi Huckepack mit aktuellen emotionalen Herausforderungen hat auflösen lassen. In diesem Monat möchte ich noch hinzufügen, dass ich das Gefühl habe, dass das Potenzial für Lösungen nie größer war, und zwar in einem Umfang, der atemberaubend ist. Einschränkend muss ich noch sagen, dass solche Potenziale nicht immer auf den ersten Blick erkennbar sind, und dass wir aufgerufen sind, unsere Fähigkeit, die Ansatzpunkte für Lösungen zu erkennen, stetig zu nutzen und damit zu trainieren.

Worin bestehen die Potenziale? Hmm … was genau alles möglich ist, kann ich nicht sagen, ich bin schließlich kein Hellseher. Was ich jedoch bei mir und in meinem Umfeld beobachten konnte ist: Das Loslassen von alten seelischen Wunden, die Auflösung von systemischen und karmischen Verstrickungen, tiefes Verständnis für Zusammenhänge von Ursache und Wirkung, die wir bisher nicht sehen konnten (oder wollten), einfacheres Loslassen von alten Mustern und ererbten Glaubenssätzen.

Meiner Beobachtung nach gibt es momentan so viele Gelegenheiten wie nie, in diesen Bereichen große Schritte vorwärts zu kommen. Doch es braucht zwei Dinge, um den jeweiligen Schritt auch zu tun: Erstens das Gewahrsein, ein entsprechendes Potenzial zu erkennen und zweitens, den Mut, den Willen und das Durchhaltevermögen, den Schritt auch zu gehen. Anders als von den christlichen Kirchen verkündet rennt da draußen nämlich kein Erlöser herum, der uns per Handauflegen von all unserem Ballast befreit. Den Erlöser gibt es schon – aber jeder ist es für sich selbst. Und neben energetischen Werkzeugen, Ritualen, Meditation oder Ähnlichem gibt es oft handfeste physische Dinge zu tun, um bei der eigenen Entfaltung den nächsten Schritt zu gehen. Und das kostet ziemlich viel Kraft. Die positive Seite der Medaille ist jedoch, dass wir, wenn wir auf der Welle der Potenziale surfen, so effektiv vorwärts kommen, wie nie zuvor in unserem Leben.

Was können wir tun? Ich glaube, das Wichtigste ist es, momentan liebe- und verständnisvoll für sich selbst zu sein. Mit all dem, was auf energetischer und auch auf physischer Ebene gerade passiert, ist es nicht verwunderlich, dass wir oft müde sind und das Gefühl haben, dass alles zu viel ist. Oft können wir uns nicht mal eben ausklinken, deshalb ist es wichtig, dass wir jede Gelegenheit nutzen, uns zu erholen. Das muss jedoch nicht unbedingt bedeuten, dass wir uns ins Bett oder auf die Gartenliege legen und nichts tun. Das momentane Gefühl der Anstrengung ist multidimensional: körperlich, mental, emotional und seelisch. Natürlich ist es hilfreich, sich auszuruhen, wenn wir körperlich erschöpft sind. Wenn wir jedoch physisch fit und trotzdem überfordert sind, kann es die reinste Erholung für die anderen Ebenen sein, wenn wir etwas tun, was unser Herz zum Singen bringt. Tatsächlich ist es so, dass uns Tätigkeiten, die wir lieben, unter dem Strich mehr Energie geben, als sie kosten.

Wenn wir dazu neigen, immer viel zu beschäftigt zu sein und zwischendrin gar nicht mehr zur Ruhe zu kommen, dann kann uns übrigens auch die Desert Willow Essenz von Cynthia Kemp Scherer aus Arizona unterstützen. Sie hilft uns in dem Gefühl, dass wir uns auch mal eine Ruhepause gönnen dürfen, und ist dabei hoch effektiv.

Diejenigen, die Hilfe dabei gebrauchen können, sich, um die Potenziale für die Heilung der eigenen Seele zu nutzen, nach innen zu wenden, können von den Healing Path Essenzen von Daniel Mapel profitieren, und ganz besonders von der ersten Essenz der Reihe: Inner Work. Auch an dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf den Workshop von Daniel Mapel, der zu diesem Thema wie die Faust auf’s Auge passt.

Ich kann es objektiv nicht beurteilen, aber ich habe das starke Gefühl, dass es in der Geschichte der Entwicklung der Menschheit niemals spannendere Zeiten gab. Der Planet, die Natur und die Menschen sind auf allen Ebenen im Umbruch. Überall gibt es Turbulenzen und Chaos. Aber auch wenn vieles davon geeignet scheint, uns Angst zu machen, ziehe ich es vor, zuerst einmal das Potenzial in der Veränderung zu sehen und meinen Teil zum Ganzen beizutragen, indem ich meine eigenen Chancen für Wachstum und Entfaltung nutze.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … Juni 2017

Das „Zu guter Letzt“ im Juni besteht aus der Erzählung einer Begebenheit, die sich vor wenigen Tagen zugetragen hat, sowie dem Versuch einer Interpretation und einer Schlussfolgerung. Alles. was ich hier schreibe, ist rein persönliche Wahrnehmung, die sich nicht zwangsläufig auf andere übertragen lässt. Oder aber manchmal doch?

Was objektiv passiert ist

Wir haben drei Katzen. Momentan ist der Rest der Familie außer Haus, so dass die Katzen auf Wohl und Wehe mir ausgeliefert sind. Oder ich ihnen, je nachdem, wie man es sehen mag. Wer Katzen hat, weiß wovon ich rede. Wir haben einen großen Kater in den besten Jahren, sowie zwei noch junge Kätzinnen. Der Große ist unser Zen-Kater – ein Muster an Zentriertheit und Ausgeglichenheit. Er ist so etwas wie der Wächter über die Energie unseres Hauses. Die Kleinen sind jung, wild und ungestüm, in vielen Dingen noch unerfahren und haben auch so ihre Ecken und Kanten. Die Jugend halt.

Es war ein heißer Tag gewesen und, um die Kühle der Nacht zu nutzen, habe ich bei offenem Fenster geschlafen. Normalerweise bekomme ich nicht so viel mit, wenn ich schlafe, in dieser Nacht habe ich jedoch kurz Katzen-Kampfgeschrei gehört. Die Kleinen waren im Haus, der Große unterwegs, deshalb habe ich zumindest mal weiter gelauscht. Sekunden später sehe ich, wie eine der Kleinen über den Sims des offenen Fensters spaziert und – warum auch immer – theatralisch abschmiert. Das Schlafzimmer liegt im ersten Stock. Zwar können Katzen Stürze aus dieser Höhe in der Regel ohne Verletzungen überstehen, sicherheitshalber habe ich mich aber auf die Suche nach ihr gemacht. Ein erster Blick aus dem Fenster hat mir gezeigt, dass sie zumindest nicht mehr an der vermuteten Aufschlagstelle lag. Sobald ich draußen war, kam mir dann der Große entgegen und ich sah noch, wie die Kleine in Richtung Büsche rannte. Alle Versuche, sie ins Haus zu locken scheiterten, so dass ich irgendwann mit mulmigem Gefühl wieder schlafen gehen musste.

Am nächsten Tag saß sie nicht (wie gehofft) vor der Tür, sondern blieb verschwunden. Zwar war ich mir relativ sicher, dass sie sich nicht schwer verletzt hatte, die Ungewissheit jedoch blieb. Am Abend desselben Tages ist sie dann wieder aufgetaucht und so als ob nichts gewesen wäre, leise pfeifend ins Haus gegangen. Ein gründliches Durchkneten meinerseits hat sich willig über sich ergehen lassen, so dass ich davon ausgehen musste, dass sie sich, wie vermutet, nicht wehgetan hatte. So weit zu den Ereignissen in der physischen Welt.

Was in mir passiert ist und Interpretation

Wer Haustiere hat weiß, dass man sich sorgt, wenn eines verschwunden ist. Bei Freigänger-Katzen kommt es auch schon mal vor, dass sie einen oder zwei Tage verschwunden sind, bis sie wieder auftauchen. Normalerweise bin ich da relativ entspannt, diesmal jedoch waren die Stunden, in denen die Kleine verschwunden war die reinste Hölle. Voller Zweifel, ob sie vielleicht irgendwo verletzt liegt, war ich fast nicht in der Lage, einen klaren Gedanken zu fassen, geschweige denn zu arbeiten. Ich hatte nach menschlichem Ermessen alles getan, was getan werden konnte: Suchen, Rufen, Locken. Also blieb mir nur, irgendwie mit der Situation klarzukommen und zu warten.

Irgendwann im Laufe des Tages erschien mir der Berg an Emotionen dann doch zu groß dafür, dass mit der Katze wahrscheinlich ohnehin alles in Ordnung war und ich – Sorge hin oder her – eigentlich nur abwarten musste, bis sie wieder auftauchte. Vielleicht waren alte seelische Wunden im Spiel, die durch die Situation getriggert worden sind? Ein Lobgesang auf den Muskeltest als Werkzeug, denn dieser hat mir geholfen, mit dem Verstand ansatzweise zu erfassen, was auf emotionaler Ebene alles mit mir los war. Es zeigten sich tatsächlich alte Wunden aus meiner Vergangenheit, die ich mit den mir zur Verfügung stehenden Mitteln bearbeitete, soweit das möglich war. Mit diesem Wissen und der getanen Arbeit war es zwar immer noch die Hölle, jedoch konnte ich mit dem Verstand nun besser damit umgehen. Meine Intuition sagte mir zusätzlich, dass die Kleine wieder auftauchen würde, also musste ich „nur noch“ durchhalten.

Als sie dann schließlich wieder da war, fiel mir ein Gebirge von der Größe der Alpen vom Herzen. Gleichzeitig hatte ich das spontane Bedürfnis, diesen Erdrutsch an Emotionen zu nutzen, um die alten Schmerzen, die ich vorher hatte benennen können, quasi huckepack mit abfließen zu lassen. Solche Dinge wird man am besten los, indem man sie in die Erde fließen lässt. Für mich sah das dann so aus, dass ich bäuchlings auf dem Rasen lag und visualisierte, wie der Schmerz in Form eines Lavastroms zurück zum Erdkern fließt und dort recycelt wird. Die Nachbarn werden sich ihren Teil gedacht haben. Unser Zen-Kater tauchte natürlich nur Momente, nachdem ich mich hingelegt hatte, auf, legte sich neben mich und drückte sich fest an meine Beine. Was für eine Unterstützung! Als der Erdrutsch dann vorbei war, hatte ich das erste Mal an diesem Tag das Gefühl, präsent und geerdet zu sein.

Die Schlussfolgerung

Mit wem man gerade auch spricht, alle betonen, dass das energetische Wetter zurzeit besonders heftig ist. Lee Harris, dessen „Energy Updates“ ich gerne ansehe, spricht im Juni davon, dass wir gerade durch eine Phase hoch wogender emotionaler Energie gehen (ach wirklich?!) Als ich vor wenigen Tagen mit Daniel Mapel, dem Hersteller der Wild Earth Tieressenzen nach Mailand zur Konferenz geflogen bin, sagte er zu mir in einem Anfall grenzenloser Weisheit:

„If you haven’t started to take care of your stuff by now, the shit is hitting the fan. And if you have started, the shit is still hitting the fan, but you can deal with it.“

Übersetzt heißt das soviel wie: „Wenn wir bis jetzt noch nicht angefangen haben, uns um unser [emotionales] Gerümpel zu kümmern, dann ist die Kacke gerade am dampfen. Und auch wenn wir damit angefangen haben, ist die Kacke immer noch am dampfen, wir wissen nur, wie wir damit umgehen können.“

Die beschriebene Episode hat mich gelehrt, dass es nie größere Gelegenheiten gab, Stück für Stück unseren seelischen Ballast zu bearbeiten. Diese Gelegenheiten kommen mit alltäglichen Situationen, und wenn man sie erkennt und nutzt, kann man große Schritte vorwärts machen. Und nicht zuletzt sind wir dabei nicht alleine – Familie, Freunde und (ganz wichtig) die Haustiere sind unsere Helfer, die uns dabei unterstützen, damit wir uns um „unseren Krempel“ kümmern können. Und tatsächlich ist das auch alles, was es braucht. Denn wenn wir beginnen, die alten, vom Schmerz geprägten Muster Stück für Stück aufzulösen, können wir immer besser auf Situationen bewusst statt automatisch reagieren (engl. „respond“ im Gegensatz zu „react“) und damit immer besser bewusst am Steuerrad unseres Lebens stehen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (Mai 2017)

Vor nicht allzu langer Zeit hatte ich bereits über das Thema Sensitivität und das „Wahrnehmungsventil“ geschrieben. In den letzten Wochen und Monaten hat sich mir dieses Thema wieder in allen nur denkbaren Geschmacksrichtungen präsentiert: In Gesprächen mit Kunden, Bekannten und Freunden, in der eigenen Familie und nicht zuletzt spüre ich es auch immer wieder am eigenen Leib. Es ist offensichtlich, dass immer mehr Menschen, Erwachsene und Kinder, so sensitiv sind, dass das „Leben da draußen“ mit seiner Flut an Eindrücken auf sinnlicher und energetischer Ebene manchmal einfach zu viel ist. Man fühlt sich überwältigt und ausgelaugt.

Meine Gedanken zu diesem Thema habe ich ja wie gesagt schon im „Zu guter Letzt“ vom September 2016 aufgeschrieben und der Text ist aktueller denn je. Inzwischen bekommt das Thema auch medial mehr Aufmerksamkeit, wie zum Beispiel in diesem schönen zusammenfassenden Artikel von Ulrike Hensel.

Natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Essenzen, die helfen können, das eigene Energiefeld so zu stärken, dass man besser mit den äußeren Einflüssen zurechtkommt, beispielsweise den Sugilith von den Indigo Essences, Fringed Violet von den Australischen Buschblüten, die Guardian Mischung von den Alaska Essenzen oder Protection von den Wild Earth Tieressenzen.

In den letzten Tagen hat sich mir jedoch ein anderer Aspekt der großen Sensitivität gezeigt: Mitgefühl. Die positive Kehrseite der Medaille, wenn man so vieles wahrnimmt, ist die Fähigkeit, zu großem Mitgefühl. Natürlich ist es anstrengend, wenn man wahllos mit allem und jedem mitfühlt. Wenn man diese Qualität jedoch bewusst einsetzen kann, dann ist sie eine große Gabe.

Manche Menschen verwechseln Mitgefühl mit Mitleid. Schon der Wortstamm sagt jedoch aus, worin der Unterschied zwischen beiden besteht: „Ich fühle mit Dir“ im Gegensatz zu „Ich leide mit Dir“. Es wird mir wohl niemand widersprechen, wenn ich sage, dass keinem geholfen ist, wenn wir mit jemand anderem „mitleiden“ – im Gegenteil.

Mitgefühl hingegen hat eine machtvolle, heilende Wirkung. Energetisch betrachtet heißt „mitfühlen“, dass wir uns aus einer stabilen Position auf jemanden einlassen, der gerade Schmerz empfindet. Wir stellen dieser Person also, ähnlich wie es Essenzen tun, ein harmonische(re)s Spektrum an Frequenzen/Energie/Information zur Verfügung. Nach dem Prinzip der Resonanz wird dies dazu beitragen, dass die offensichtlich nicht so harmonische Energie der leidenden Person sich wieder ein Stück mehr in Richtung Einklang bewegen kann. Und das Ganze passiert ohne, dass unsere schon zuvor harmonische Energie dadurch negativ beeinflusst wird. Also eine Win-Win-Situation.

Voraussetzung dafür ist wie gesagt, dass wir selbst stabil und im Gleichgewicht sind. Dann jedoch  besitzen diejenigen, die besonders sensitiv sind, ein kraftvolles Werkzeug, anderen Menschen zu helfen. Eine der größten Herausforderungen dabei ist es, zu lernen, wie man zwischen dem unterscheiden kann, was die eigenen Gefühle sind, und dem, was von anderen kommt. Hier hat sich unsere Essenzenmischung „Emotionale Klarheit“ inzwischen gut bewährt.

Natürlich ist es nun nicht die Aufgabe, herumzulaufen und wahllos Mitgefühl zu verbreiten. Das wäre ziemlich komisch und zudem aufdringlich, denn nicht jeder Mensch ist bereit, diese Form der Unterstützung anzunehmen. Obendrein würde es wahrscheinlich einfach viel zu anstrengend sein. Tatsächlich reicht es schon aus, wenn man diese Fähigkeit in der eigenen Familie und im Freundeskreis bewusst und gezielt einsetzt. Das alleine ist schon eine Aufgabe, die für die meisten groß genug ist. Gleichzeitig ist es aber auch alles, was wir tun müssen, um die Welt besser zu machen.

Und wie sieht das in der Praxis aus? In den meisten Fällen geht es dabei wohl weniger darum, etwas zu tun und stattdessen einfach da zu sein, zuzuhören, ein stabiles Fundament zur Verfügung zu stellen, das derjenige, der gerade leidet, nutzen kann. Es geht auch nicht darum, mit Lebensweisheiten um sich zu werfen oder zu versuchen, dem anderen Tipps zu geben. Das Mitgefühl von dem ich rede, ist weitestgehend passiv: „Ich bin hier, ich bleibe hier, ich gehe nicht weg. Ich bin für Dich da, wenn Du mich brauchst.“

Wenn man sich mit spirituellen Lehren beschäftigt, kommt man früher oder später zu dem Punkt, an dem man liest, dass man mehr „sein“ und weniger „tun“ soll. Früher habe ich das mit stillem Dasitzen und Meditation assoziiert, was mir, ehrlich gesagt, ziemlich schwerfällt. Nebenbei: Es gibt genügend Möglichkeiten der aktiven Meditation. Das genussvolle Kochen ist für mich so etwas. Im Kontext von Hochsensibilität und der Fähigkeit zu Mitgefühl, ergibt diese Weisheit jedoch auch für mich vollständig Sinn. Um jemandem, der gerade leidet, emotional und energetisch zu helfen, muss ich nicht unbedingt aktiv werden – es reicht oft aus, einfach stabil zu sein und diese Stabilität zur Verfügung zu stellen.

In diesem Sinne möchte ich alle, die sich in zunehmendem Maße von der Welt überfordert und überwältigt fühlen, dazu auffordern, auch die Kehrseite der Medaille bewusst wahrzunehmen. Die Gabe der Sensitivität ist ein großes Geschenk, mit dem man allerdings erst einmal lernen muss, umzugehen. Immer mehr Kinder sind damit gesegnet – Eltern tun daher gut daran zu prüfen, was sie gegebenenfalls tun können, um ihr Kind dabei zu unterstützen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen