Zu guter Letzt … (September 2017)

Wie treffen Sie Entscheidungen? Denken Sie alles intensiv durch? Machen Sie eine Liste mit Argumenten pro und contra für jede Option? Lassen Sie sich beraten – vielleicht durch Freunde oder einen Fachmann? Je nach Größe und Tragweite der Entscheidung mache ich all das. Allerdings beeinflusst das meine Entscheidung nur etwa zur Hälfte. Die anderen 50 % kommen aus der Frage: „Wie fühlt es sich an?“.

Ich habe in der Vergangenheit schon das ein oder andere Mal darüber geschrieben, für wie wichtig ich es halte, die Intuition mit in den Prozess der Entscheidungsfindung einzubeziehen. Ich könnte auch noch ausführlich darüber schreiben, wie mein Bauchgefühl mich schon einige Male davor bewahrt hat, mich für objektiv „richtige“ Optionen zu entscheiden, die sich dann im Nachhinein als ziemlich schlecht oder als fauler Kompromiss herausgestellt haben. Aber darum geht es mir heute nicht.

Je weiter wir uns entwickeln, desto wichtiger ist es, dass wir dem Weg unseres Herzens folgen. Das Bauchgefühl bei Entscheidungen mit einzubeziehen ist dazu unerlässlich. Die Intuition ist jedoch wie ein Muskel: Wenn wir sie nicht regelmäßig und intensiv benutzen, dann ist sie untrainiert und schwach. Und je häufiger wir sie benutzen, desto stärker und klarer wird sie.

Insbesondere, wenn wir gerade erst begonnen haben, unsere „Bauch(gefühl)muskeln“ zu trainieren, kann es uns schwerfallen, die Intuition aus dem allgemeinen Wirrwarr von Gedanken und Gefühlen herauszuhören. Und selbst wenn wir unsere Intuition bereits virtuos benutzen, ist es hilfreich, sich immer wieder die folgende Frage zu stellen:

„Fühlt es sich wirklich GUT an, oder fühlt es sich nur weniger schlecht an?“

Das ist ein kleiner, aber wesentlicher Unterschied! Und insbesondere, wenn es um große Entscheidungen geht, sollten Sie sich mit „weniger schlecht“ nicht zufriedengeben. Bei den wirklich wichtigen Entscheidungen in unserem Leben – Beruf, Wohnung, Partner – sollte kein Spielraum für faule Kompromisse vorhanden sein. Wenn Sie aus einer für Sie negativen Situation in eine andere Situation wechseln, die vielleicht ein bisschen weniger, aber immer noch negativ ist, was haben Sie dann gewonnen?

Wenn eine Option sich wirklich gut anfühlt, dann werden Sie sich darauf freuen, sie umzusetzen. Sie werden sich auf das Gefühl freuen, das Sie haben werden, wenn die Option Realität geworden ist. Im Gegensatz zum Verstand, der sich vielleicht Gründe ausdenkt, warum das alles nicht funktionieren kann, wird ihr Bauch bei dem Gedanken an die Option vollkommen wohlig und ruhig sein. All das sind Hinweise darauf, dass Ihre Intuition Ja sagt. Und noch einmal: Je wichtiger die Entscheidung, desto wichtiger ist es, dass auch Ihre Intuition mit im Boot ist und zustimmt. Im August 2014 habe ich geschrieben:

„Ich gehe so weit zu sagen, dass es besser ist, bei Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen lieber nein zu sagen, wenn man nicht zu 100 % ja sagen kann.“

In den drei Jahren, die seither vergangen sind, ist es aus meiner Perspektive noch viel wichtiger geworden, dieses Prinzip zu berücksichtigen, denn energetisch gesehen funktionieren faule Kompromisse heute noch viel weniger, als sie es jemals getan haben. Die gute Nachricht dabei ist, dass der Lösungsansatz, den ich damals angeboten habe, heute immer noch (und sogar noch besser) funktioniert:

„Manchmal reicht es aus, wenn man an den Parametern der Entscheidung dreht, bis man ein vollständig gutes Gefühl hat, manchmal braucht es zuerst einen Umweg, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Und manchmal ist es auch notwendig, dass man das Ziel als Ganzes infrage stellt. Egal, was davon zutrifft – wenn wir uns angewöhnen, große Entscheidungen nur so zu treffen, dass wir vollständig und bedingungslos ja sagen können, dann machen wir uns das Leben auf jeden Fall ein ganzes Stück leichter und angenehmer.“

Wir sind nicht auf der Erde, um zu leiden – wir sind hier, um uns zu entfalten und Spaß daran zu haben. Bei der Wahl unserer Entscheidungen ist unser Bauchgefühl das Werkzeug, das uns so gut wie kein anderes dabei helfen kann, in die Richtung zu gehen, die uns zu mehr Freiheit und Entfaltung führt. Und wenn Sie in Zukunft große Entscheidungen treffen müssen, dann könnten Sie folgende Vorgehensweise ausprobieren:

  1. Werden Sie sich darüber klar, welche Optionen es gibt, egal ob in Ihren Augen realistisch oder nicht. Unsere eigene Vorstellung davon, was realistisch ist, ist lächerlich klein im Vergleich zu dem, was tatsächlich machbar ist.
  2. Sortieren Sie alle Optionen aus, die sich schlecht anfühlen.
  3. Teilen Sie die restlichen Optionen in zwei Gruppen auf: diejenigen bei denen Ihr Bauchgefühl „Ja aber“ sagt, und diejenigen, bei denen Ihr Bauchgefühl klar „Ja“ sagt. Legen Sie die „Ja aber“ Gruppe vorerst beiseite.
  4. Prüfen Sie die Optionen aus der „Ja“ Gruppe auf Machbarkeit. Stellen Sie sich die Fragen: „Was muss ich tun, um das möglich zu machen?“ „Wie kann ich vorgehen?“ „Wer kann mir dabei helfen?“ „Werde ich langfristig damit glücklich sein?“ Investieren Sie Zeit und Gehirnschmalz in die Beantwortung der Fragen. Lassen Sie sich nicht vom kleinen Verstand abbringen, der Ihnen vielleicht einreden will, dass Sie zu klein/dumm/arm/alt oder sonst etwas sind, um Ihr Ziel zu erreichen.
  5. Sollten Sie dabei immer wieder gegen Wände und verschlossene Türen rennen, wenden Sie sich der „Ja aber“ Gruppe zu. Fragen Sie sich selbst: „Was muss ich verändern, damit aus dem „Ja aber“ ein klares „Ja“ wird. Wenn Sie dabei erfolgreich sind, dann stecken Sie die veränderten Optionen in die „Ja“ Gruppe und gehen zurück zu Schritt 4.

Geht man vornherein mit einer klaren Vorstellung davon, was möglich ist, in einen Entscheidungsprozess hinein, limitiert man sich selbst unnötig. Wenn man jedoch im ersten Schritt alle Optionen zulässt, ist man oft erstaunt, über die Vielzahl und Einfachheit der zur Verfügung stehenden Optionen. Und wenn man die Intuition als gleichberechtigten Partner in seine Entscheidungen mit einbezieht, dann können Wunder geschehen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

 

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Zu guter Letzt … (August 2014)

Kompromiss:
Die Lösung eines Konfliktes durch gegenseitige freiwillige Übereinkunft, unter beiderseitigem Verzicht auf Teile der jeweils gestellten Forderungen. (Wikipedia)

Rücksicht:
Verhalten, das die besonderen Gefühle, Interessen, Bedürfnisse, die besondere Situation anderer berücksichtigt, feinfühlig beachtet. (Duden)

Carsten SannEiner der Grundpfeiler menschlichen Zusammenlebens ist die Fähigkeit, Rücksicht zu nehmen und Kompromisse einzugehen. Wenn jeder Mensch jederzeit und ohne auf die Bedürfnisse anderer zu achten das täte, was er gerade will, dann wäre die Welt ziemlich chaotisch und wir hätten als Spezies wohl noch nicht geschafft von den Bäumen herunterzuklettern.

Rücksicht und Kompromisse bestimmen unser tägliches Leben: Wir sind morgens leise, damit wir das Familienmitglied, das ausschlafen kann, nicht aufwecken, wir nehmen der Umwelt zuliebe den Zug zur Arbeit, obwohl wir länger unterwegs sind als mit dem Auto, wir schauen uns zusammen mit unserem Partner einen Film an, der uns eigentlich gar nicht wirklich interessiert oder einigen uns auf ein Gericht zum Mittagessen, obwohl wir eigentlich Appetit auf etwas anderes gehabt hätten.

Es ist gut, dass wir als Menschen in der Lage sind, unsere eigenen Bedürfnisse auch mal hintanzustellen – das vermeidet eine Menge Auseinandersetzungen und damit die unnötige Verschwendung unserer Lebensenergie.

Nicht immer ist jedoch ein Kompromiss die bestmögliche Lösung für einen Konflikt, ganz besonders, wenn er faul ist. So sehr Rücksichtnahme und Kompromissbereitschaft in den kleinen Dingen des Lebens hilfreich sind, so sehr können sie uns bei großen Entscheidungen schaden. Wenn man an den Weggabelungen des Lebens faule Kompromisse eingeht, dann sorgt man automatisch dafür, dass man leidet, oder zumindest nicht so glücklich ist, wie man sein könnte. Deshalb möchte ich Sie in diesem „Zu guter Letzt“ dazu aufrufen, in Bezug auf die großen Dinge im Leben keine faulen Kompromisse einzugehen. Gar keine!

Wahrscheinlich kennen die meisten von Ihnen das Prinzip: Obwohl unser Herz uns auffordert, nach der Schule einen künstlerischen Beruf zu erlernen, wählen wir auf Drängen unserer Eltern die „Sicherheit“ und lernen Bankkaufmann. Obwohl wir mit unserem Partner eigentlich nicht mehr glücklich sind und uns lieber trennen wollen, willigen wir ein es noch einmal zu probieren. Manche gehen dabei sogar so weit, ein Kind zu zeugen, in der Hoffnung, die kaputte Beziehung damit zu kitten. Oder wir nehmen die neue Wohnung, die fast perfekt ist, nur um dann festzustellen, dass unser Bauchgefühl uns nicht getrogen hat und es doch noch einen Nachteil gibt, der uns erst zu spät bewusst wird.

Der sicherste Indikator für einen faulen Kompromiss ist dieses nagende Gefühl im Bauch, das uns sagt, dass hier etwas nicht stimmt. Die rationalen Argumente mögen für die Angelegenheit sprechen und vielleicht freuen wir uns sogar auf das, was kommt, aber da ist das Grummeln in der Magengrube, das unsere Freude trübt. Dieses Gefühl ist unser angeborenes Alarmsystem, das uns vor falschen Entscheidungen warnt, und damit wären wir wieder – wie immer, wenn es um Entscheidungen geht – beim Bauchgefühl und der Intuition angelangt. Wir haben dieses wunderbare eingebaute „Navigationssystem“, also nutzen wir es doch.

Wenn wir bei den kleinen, alltäglichen Entscheidungen unser Bauchgefühl ignorieren, holen wir uns vielleicht bildlich gesprochen manchmal eine blutige Nase. Wenn wir dies jedoch mit den großen und wichtigen Entscheidungen tun, können die Konsequenzen verheerend für unser Leben sein.

Je größer die Entscheidung, desto kleiner ist der Spielraum für faule Kompromisse. Ich gehe so weit zu sagen, dass es besser ist, bei Entscheidungen mit weitreichenden Konsequenzen lieber nein zu sagen, wenn man nicht zu 100 % ja sagen kann. Manchmal reicht es aus, wenn man an den Parametern der Entscheidung dreht, bis man ein vollständig gutes Gefühl hat, manchmal braucht es zuerst einen Umweg, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. Und manchmal ist es auch notwendig, dass man das Ziel als Ganzes infrage stellt. Egal, was davon zutrifft – wenn wir uns angewöhnen, große Entscheidungen nur so zu treffen, dass wir vollständig und bedingungslos ja sagen können, dann machen wir uns das Leben auf jeden Fall ein ganzes Stück leichter und angenehmer.

Ich wünsche Ihnen schöne Sommerferien!

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen