Zu guter Letzt … (März 2018)

Jeder von uns besitzt das, was wir Intuition nennen. Es ist der Teil von uns, der Dinge „weiß“, ohne dass unser Verstand verstehen kann, warum oder woher. Die Intuition ist dafür da, uns auf unserem Weg durch das Leben zu leiten, und sie nicht zu nutzen wäre in etwa so, als würde man nachts im Auto auf einer unbeleuchteten Landstraße eine Taschenlampe aus dem Fenster halten, anstatt die Scheinwerfer anzuschalten.

Wenn wir geboren werden, sind wir Meister der Intuition. Tatsächlich sind Instinkte, Intuition und unsere Emotionen alles, was wir haben, wenn wir auf die Welt kommen – der denkende Verstand entwickelt sich erst später. Wir haben beide bekommen, um sie gemeinsam zu benutzen.

Irgendwann im 17. Jahrhundert ist aber jemand auf die Idee gekommen, den Verstand über die Intuition zu heben und sogar zur einzigen Quelle der Wahrheit zu erklären. René Descartes war sein Name. Der war zwar ein ziemlich kluger Kopf, aber unter uns gesprochen war diese Idee ein ganz großer Quatsch. Das war soweit noch kein Problem, erst als sich diese Idee in den Köpfen der Reichen und Mächtigen festsetzte und diese sie dem „gemeinen Volk“ als einzige Wahrheit aufzwangen, hat die westliche Gesellschaft den Bezug zu ihrer Intuition großflächig verloren.

Ich war zwar damals nicht dabei (oder vielleicht doch?), aber ich kann mir gut vorstellen, was die Beweggründe von Descartes waren, alles Nichtrationale zu verwerfen. Das Mittelalter war zwar schon eine Weile vorbei, die Aufklärung als „Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.“ (Immanuel Kant, 1784) hatte jedoch noch nicht begonnen. An dieser Stelle möchte ich noch anfügen, dass die „Unmündigkeit“ keineswegs selbstverschuldet war – die Kirche(n) als selbsternannte Verantwortliche für das Seelenheil der Menschen hatten da gewaltig ihre Finger im Spiel. Aber das nur am Rande.

Descartes lebte also in einer Welt voller Irrationalität und Aberglauben. So gesehen hatte zu dieser Zeit die (fehlgeleitete) Intuition dermaßen die Überhand, dass es ihm irgendwann einfach gereicht und er die Ratio zur einzigen Wahrheit erklärt hat. Das ist jedoch, als ob man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben würde, oder den Bock zum Gärtner machte – Sie verstehen, was ich sagen will.

Der Mensch besteht aus mindestens drei Ebenen: Körper, Geist und Seele. Alle drei sind die Vehikel, in denen wir uns auf der Welt bewegen und versuchen, unseren Daseinszweck zu finden und zu erfüllen. Wenn wir uns selbst von einer oder mehrerer dieser Ebenen abtrennen, dann wird dies ziemlich schwierig. Der Schlüssel für ein erfülltes und glückliches Leben liegt also darin, sich alle drei Vehikel zunutze zu machen, um dem Weg der Seele zu folgen und sein größtmögliches Potenzial zu entfalten. Das ist es, was wirklich glücklich macht.

Wir befinden uns am Ende des nach René Descartes benannten „kartesischen“ Zeitalters. Die Menschen beginnen wieder großflächig zu begreifen, dass die Ratio allein nicht die Antworten auf alles parat hat. Gleichzeitig ist die Mehrzahl derjenigen, die heute erwachsen sind, in einem Klima großgeworden, in dem die Intuition verpönt war und missachtet wurde. Deshalb haben wir verlernt, sie wahrzunehmen und auf sie zu hören.

Ich bin gerade mitten in einem Workshop von Cynthia Athina Kemp Scherer, der Herstellerin der Desert Alchemy Blütenessenzen. Sie ist eine wirklich weise Frau und eines der Dinge, die sie den Teilnehmern immer wieder sagt (und das mich zu diesem Text inspiriert hat) ist, dass wirklich jeder intuitive Wahrnehmungen hat und dass jede dieser Wahrnehmungen richtig ist. Ohne Ausnahme, jederzeit. Noch einmal in anderen Worten: Alles, was wir an Gefühlen und Eingebungen wahrnehmen stimmt, ist richtig und wahr. Unsere Intuition spiegelt unsere eigen Wahrheit wieder. Wir können niemals falsch liegen und wir können auch nichts falsch machen. Punkt.

Um nicht zurück in die vor-kartesianische Zeit des Aberglaubens zu fallen, sollten wir jedoch in der Lage sein, unseren Verstand zu nutzen, bevor wir rein aufgrund unserer Intuition handeln. Sie erinnern sich, dass der Schlüssel für ein erfülltes Leben ist, alle drei Ebenen zu nutzen. Wenn also unsere Intuition immer richtig ist, sollten wir uns dennoch zweier Dinge bewusst sein, bevor wir aus einer Intuition einen Handlungsimpuls oder eine Entscheidung ableiten.

Erstens: Es gibt keine allgemein gültige Wahrheit. Das, was für mich und meine Intuition wahr ist, muss nicht für meinen Partner, Arbeitskollegen, Freund, Geschäftspartner etc. gelten. Hier gilt es abzuwägen, ob es sinnvoll ist, aufgrund einer Intuition zu handeln, oder ob es besser ist, einen anderen Zeitpunkt zu wählen oder Modifikationen vorzunehmen.
Zweitens: Auch wenn man Meister in der Nutzung der eigenen Intuition ist, gibt es immer noch das, was man den „gesunden Menschenverstand“ nennt. Dieser ist dafür gedacht, uns daran zu hindern, wirklich dumme Dinge zu tun. Wenn ich beispielsweise auf einem Hochhausdach stehe und meine Intuition mir sagt, ich solle jetzt sofort hinunterspringen, dann ist es für das eigene Überleben wirklich praktisch, den gesunden Menschenverstand zu nutzen und es nicht „mal eben so“ zu tun. Oft tut man gut daran, intuitive Eingebungen nicht wortwörtlich zu nehmen und mit dem Verstand auf den Prüfstand zu stellen. Ja, die Intuition ist und bleibt wahr, aber vielleicht haben wir sie zuerst ein wenig fehlinterpretiert.

Wenn wir verstehen, dass unsere Intuition ein unerlässliches Werkzeug ist und sie zusammen mit unserem Verstand einsetzen, um Entscheidungen zu treffen und am Ruder unseres Lebens zu stehen, dann kann eigentlich nicht mehr viel schiefgehen. Manchmal gehört noch ein wenig Mut und Arbeit dazu, die Entscheidungen, von denen wir rational und intuitiv wissen, dass sie richtig sind, auch umzusetzen, aber so ist das Leben eben. Zum Glück gibt es Werkzeuge wie Blütenessenzen, die uns dabei helfen können.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (Januar 2018)

Dieses „Zu guter Letzt“ ist ein Plädoyer. Ein Plädoyer, endlich mit dem „Entweder/Oder“ aufzuhören und zu akzeptieren, dass ein „Sowohl/Als auch“ immer die bessere Lösung ist. Es geht mir dabei heute um den niemals enden wollenden Kampf zwischen den Anhängern der Schulmedizin und der Naturmedizin.

Natürlich greifen die Meinungsmacher und Lobbyisten unter den Schulmediziner alles an, was außerhalb ihres Verständnisses ist, bzw. ihre Pfründe in Gefahr bringt. Jedoch gibt es auch genügend Hardliner unter den Menschen, die der Naturmedizin nahestehen, und die alles, was der Schulmedizin entspringt, kategorisch ablehnen. Eines ist so gefährlich und dumm wie das andere.

Aktueller Fall: Eine Freundin der Familie wird von einem Pferd abgeworfen und ihr Nacken tut höllisch weh. Vorsichtshalber geht sie zum Orthopäden und dank der diagnostischen Instrumente der Schulmedizin wird schnell klar, dass zwei Halswirbel und die Schädelbasis gebrochen sind, glücklicherweise ohne eine Schädigung des Rückenmarks. Durch die fortschrittlichen Operationsmethoden der Schulmedizin können die Wirbel so weit fixiert werden, dass eine nachträgliche Schädigung des Nervengewebes ausgeschlossen werden kann und in sechs Wochen sind die Knochen geheilt und unsere Freundin wird wieder so gut wie neu sein. Dank der Schulmedizin wurde verhindert, dass die Brüche übersehen wurden und unsere Freundin vielleicht den Rest des Lebens vom Hals an gelähmt wäre. Zusätzlich helfen ihr Schmerz- und Beruhigungsmittel, den initialen Schock zu überstehen. Das sind Momente, in denen ich wirklich dankbar für die Segen der Schulmedizin bin.

Da unsere Freundin Heilpraktikerin ist, wird sie sicherlich im Anschluss an die Operation das gesamte Spektrum der Naturmedizin nutzen, um die Selbstheilungskräfte des Körpers zu unterstützen, damit der Heilungsprozess schnell und ohne Komplikationen ablaufen kann. Die Schulmedizin hat hier ehrlich gesagt nicht viel anzubieten und wir befinden uns, sobald die akute Phase vorbei ist, in der Domäne der Naturmedizin.

Ich selbst bin schon lange der Meinung, dass es im Bereich der Medizin kein „Entweder/Oder“ geben darf, aber wer es gerne plakativ und überdeutlich braucht: Voilà. Ich verwende übrigens ganz bewusst nicht den Begriff Alternativ- oder Komplementärmedizin, denn vieles, was es in diesem Bereich gibt, ist viel älter als die Schulmedizin. In meinen Augen ist deshalb der Ausdruck „Naturmedizin“ viel passender.

Vielleicht bin ich naiv, aber ich habe sogar die Hoffnung, dass es irgendwann nur noch eine Medizin geben wird, die das Beste aus allen Welten vereint. Dazu ist es jedoch notwendig, dass auch die Betonköpfe unter den Schulmedizinern akzeptieren, dass es wahre Dinge gibt, die die Wissenschaft (noch) nicht erklären kann, und dass auch das goldene Kalb der Empirik, randomisierte Doppelblindstudien, nicht alles beweisen oder widerlegen können. Gleichzeitig müssen sich all diejenigen an die eigene Nase fassen, die alles in der Schulmedizin ablehnen und verteufeln. „Alternative Betonköpfe“ sind genauso schlimm, wie ihre schulmedizinischen Pendants.

Ich selbst lebe nach dem Motto, dass es zu jeder Situation eine bestmögliche Lösung oder Unterstützung gibt, und ich versuche nach Kräften, diese ohne Scheuklappen zu sehen. Wenn ich erkältet bin werde ich nicht zum Arzt rennen und mir die „Segen“ der Pharmaindustrie verschreiben lassen. Mit Schüsslersalzen und homöopathischen Mitteln fühle ich mich in dieser Situation einfach besser unterstützt und behandelt. Als ich mir jedoch als Kind das Bein gebrochen hatte, war ich nach meiner Operation unendlich dankbar für die Schmerzmittel, die mir die Krankenschwester verabreicht hat – die sind ein tatsächlicher Segen der Pharmaindustrie, wie viele weitere Dinge auch.

Letztlich reduziert sich alles immer wieder auf die Themen „Verantwortung übernehmen“ und „gesunder Menschenverstand“. Solange ich der Meinung bin, dass jemand anderes für mein Wohl und meine Gesundheit verantwortlich ist, beispielsweise ein Arzt oder Heilpraktiker, entziehe ich mich der Aufgabe, selbst die Verantwortung zu übernehmen. Das ist einerseits recht bequem, denn wenn es mir nicht gut geht, kann ich scheinbar die Schuld auf jemand anderen schieben. Doch der Schein trügt. Solange wir nicht selbst Verantwortung übernehmen, geben wir die Macht aus der Hand, selbst dafür zu sorgen, dass es uns gut geht. Ich persönlich ziehe es daher vor, selbst etwas für mein Wohlergehen tun zu können, anstatt darauf hoffen zu müssen, dass andere es tun.

Deshalb übernehme ich die Verantwortung für meine Gesundheit. Unter anderem bedeutet das, die Zeit dafür aufzuwenden, sich zu informieren und sich eine eigene Meinung zu einem Thema zu bilden. Es bedeutet auch, im Zweifelsfall zweite und dritte Meinungen einzuholen, und zwar aus allen Disziplinen der Medizin, die helfen können. Es bedeutet aber auch, gegebenenfalls nicht einer Meinung mit dem behandelnden Arzt zu sein, und eine Behandlung, die man nach gründlicher Recherche und reiflicher Überlegung für nicht sinnvoll erachtet, abzulehnen.

Dazu ein Beispiel: Als ich etwa Mitte 20 war und noch keine Ahnung von Naturmedizin hatte, plagten mich wiederkehrende Magenschleimhautentzündungen. Mein Hausarzt untersuchte und befragte mich und schlug relativ schnell eine Magenspiegelung vor, um einen eventuell vorhandenen Helicobacter pylori zu diagnostizieren. Ehrlich gesagt hatte ich nicht besonders Lust, ins Krankenhaus zu gehen und einen Schlauch zu schlucken, deshalb fand ich mich nicht mit seinem Vorschlag ab, sondern fragte nach, ob es nicht auch noch andere Optionen der Diagnostik gäbe. Nach mehrfachem und nachdrücklichen Fragen rückte er dann damit heraus, dass es da noch so einen Atemtest gäbe … Danach ging es schnell: Atemtest, Diagnose bestätigt, Antibiotikum und der Magen war wieder wie neu. Und das zu einem Bruchteil der Kosten, die eine Magenspiegelung verursacht hätte. Heute würde ich nach dem Antibiotikum noch dafür sorgen, dass meine Darmflora sich wieder regeneriert, damals hatte ich wie gesagt davon noch keine Ahnung.

Glücklicherweise scheint die Anzahl der Ärzte zu wachsen, die bewusst die Rolle einnehmen, die meiner Meinung nach jeder Heiler einnehmen sollte: als Berater und Begleiter. Vor nicht allzu langer Zeit habe ich meinen Zahnarzt gewechselt. Beim ersten Termin wollte ich ihn gleich darauf vorbereiten, dass ich kein einfacher Patient bin, mir den Luxus einer eigenen Meinung leiste und sogar darauf bestehe, dass ich selbst entscheide, was gemacht wird und was nicht. Zu meiner freudigen Überraschung bestätigte mich der Mediziner und sagte, dass ihm das die liebsten Patienten seien. Er selbst sähe sich nur als Berater. Fantastisch – so geht alles viel leichter.

Wir sind selbst für unser Leben und unsere Gesundheit verantwortlich und sollten diese Verantwortung aktiv übernehmen. Dazu gehört es auch Alternativen zu suchen, Optionen abzuwägen und mit dem Risiko zu leben, dass man vielleicht nicht die optimale Option gewählt hat. Wenn man sich informiert und den gesunden Menschenverstand trainiert und nutzt, funktioniert das prima. Und bei 99,999 Prozent der Entscheidungen die dabei zu treffen sind, geht es nicht um Leben und Tod, so dass wir sie entweder rückgängig machen oder mit dem nicht optimalen Ergebnis leben können.

Deshalb plädiere ich dafür, dass wir den Mut haben, die Verantwortung für unsere Gesundheit zu übernehmen, und zwar vollständig. Wir brauchen den Mut, dann die Schulmedizin zu nutzen, wenn sie die beste Option ist, und in Erwägung zu ziehen, dass die Naturmedizin Lösungen anzubieten hat, die man in der Schulmedizin nicht finden kann. Ich plädiere für ein gesundes Miteinander aller medizinischen Disziplinen und diejenigen, die dies langfristig erreichen können sind wir, die Menschen – wenn wir Verantwortung übernehmen und selbst entscheiden, was für uns gut ist.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen

Zu guter Letzt … (März 2013)

Carsten SannGott, das Universum, Spirit oder wie man auch immer die Energie nennen mag, die wir nicht riechen, schmecken oder messen können, hat viele verschiedene Möglichkeiten, uns auf Themen aufmerksam zu machen, mit denen wir uns beschäftigen sollten, um dem Weg unserer Seele zu folgen. Mir laufen momentan fast täglich Begebenheiten über den Weg, die mich dazu bringen, mir Gedanken über die Art und Weise zu machen, wie ich Entscheidungen treffe. Ich tue das schon seit meiner Kindheit immer unter Einbeziehung dessen, was man Intuition oder die innere Stimme nennt, und bisher hat mich dies noch nie im Stich gelassen oder in die Irre geführt. Nun scheint es aber so, als ob ich aufgefordert wäre, meine „Technik“ einmal in Worte zu fassen und niederzuschreiben. Ich darf Sie daher einladen, für mich das Versuchskaninchen zu spielen. Ich hoffe, dass für Sie die ein oder andere positive Anregung dabei ist.

Es ist eine wenig überraschende Feststellung, dass der Mensch aus unterschiedlichen Ebenen des Seins besteht. Es gibt die physische Ebene des Körpers, die mentale Ebene des Verstands, die emotionale Ebene der Gefühle, und die spirituelle Ebene der Seele. Man kann jede Ebene für sich betrachten und versuchen zu analysieren. Vollständig wird das Bild aber erst, wenn man alle Ebenen miteinbezieht. Ein grundsätzlicher Denkfehler, der sich mit der Philosophie von Descartes und dem daraus abgeleiteten „kartesianischen Weltbild“ in der westlichen Welt festgesetzt hat, ist der Versuch, den Menschen zu verstehen, indem man Körper, Geist und Seele auftrennt und als unabhängig voneinander betrachtet.

Dies ist der Grund, warum eine Schulmedizin, die den Körper als biochemische Maschine ansieht, trotz all ihrer Verdienste, immer wieder an den Punkt kommt, wo sie Ursachen von Krankheiten oder Phänomene wie Spontanheilungen weder verstehen noch erklären kann. Hier werden die drei anderen Ebenen außen vor Gelassen, weswegen man nur ein Viertel des ganzen Bildes sehen kann.

Dies ist aber übrigens auch der Grund, warum die Versuche, mit rein energetischen, geistigen oder spirituellen Methoden zu heilen, so oft scheitern. Wenn der Körper zu sehr vergiftet ist, kann ich beten so lange ich will – erst eine Entgiftungskur auf physischer Ebene, z.B. mit Algen, kann mich wieder in die Lage versetzen, meine Selbstheilungskräfte zu aktivieren, damit der Körper den Rest selbst erledigen kann. Ein noch deutlicheres Beispiel: Wenn ich mir ein Bein gebrochen habe, werde ich voraussichtlich nicht mit rein geistigen Kräften den Knochen wieder richten und spontan zusammenschweißen können. Nicht, dass ich nicht glaube, dass so etwas grundsätzlich möglich ist, Tatsache ist aber, dass die allerwenigsten Menschen diese Kunst beherrschen. Deshalb braucht es einen Gips und eventuell vorher einen Chirurgen, der mich wieder zusammenflickt, damit der Körper anschließend den Knochen heilen kann.

Mit Entscheidungen ist es ähnlich: Wenn wir versuchen, auf rein rationeller Basis eine Entscheidung zu fällen, dann lassen wir mehr als die Hälfte unseres Seins außen vor, nämlich die Intuition und die Emotionen. Intuition und Bauchgefühl sind sehr wichtig und dieses Wissen verbreitet sich wieder mehr und mehr. Manchmal führt das dazu, dass das Pendel in die andere Extremposition ausschlägt: Intuition wird über alles gestellt und der denkende Verstand verteufelt. Aus ganzheitlicher Sicht betrachtet ist dies ebenso unvollständig wie eine rein rationale Entscheidung. Der Mensch besitzt nicht aus Versehen einen Verstand – er ist dazu da, dass wir ihn gebrauchen.

Um zu einer Entscheidung zu kommen, die ein möglichst breites Fundament besitzt, und bestmöglich zu unserem höchsten Wohl ist, ist es also hilfreich, alle Ebene zu „befragen“, um dann auf Basis der kompletten Informationen zu handeln. Wie man den Verstand benutzt, um Für und Wider einer Entscheidung abzuwägen muss ich an dieser Stelle wohl eher nicht beschreiben. Dies haben wir alle seit frühester Kindheit eingetrichtert bekommen. Deshalb möchte ich Ihnen meine Art und Weise vorstellen, wie ich meine Intuition und meine Emotionen befrage.

Die „Technik“ ist dabei ganz einfach, und ich möchte sie anhand eines Beispiels illustrieren. Angenommen, ich hätte eine neue Arbeitsstelle angeboten bekommen und stünde vor der Entscheidung, ob ich meinen bewährten Job aufgebe oder nicht. Lassen Sie uns weiter annehmen, dass mein alter Job mir zwar halbwegs Spaß macht, mich jedoch inzwischen eher langweilt. Der neue Job hingegen verspricht neue Aufgaben und Herausforderungen, die besser zu meinen Interessen und Neigungen passen. Leider ist der neue Arbeitgeber eine kleine Firma, die zwar großes Potenzial hat, aber theoretisch auch schnell wieder weg vom Fenster sein kann. Mein alter Arbeitgeber hingegen ist eine etablierte, große Firma, die mir Sicherheit verspricht.

Auf rationaler Ebene ist die Entscheidung leicht: Ich muss wirtschaftlich überleben, die Wahrscheinlichkeit, dass die neue Firma mich wieder rauswirft oder gleich ganz in Konkurs geht, ist um ein Vielfaches höher als bei der alten Firma, also bleibe ich, wo ich bin. Oder? Auf emotionaler Ebene reizt die Aussicht, die Langeweile loszuwerden und den Nervenkitzel einer neuen Aufgabe zu spüren schon … was also tun?

In so einem Fall setze ich mich in einen bequemen Sessel, schließe die Augen und befrage meine Intuition. Wie mache ich das? Ganz einfach: Ich stelle mir vor meinem geistigen Auge vor, wie es sein wird, wenn ich mich entschieden habe, zu bleiben. Wie fühlt es sich an, die altbekannte Arbeit zu tun? Wie geht es mir dabei? Wie fühlt sich die Sicherheit an, die ich durch die große Firma glaube zu haben? Wie fühlt es sich an, ein Angebot ausgeschlagen zu haben, das vielleicht ein Risiko, vielleicht aber auch eine große Chance war?

Wenn ich ein Gefühl dafür habe, wie es mir (voraussichtlich) gehen wird, wenn ich mich für die eine Option entschieden habe, wiederhole ich das ganze für die andere Option: Wie wird es sich anfühlen, die neuen, spannenden Aufgaben zu haben? Wie geht es mir dabei? Wie fühle ich mich mit dem Risiko, einen potenziell nicht so sicheren Job zu haben? Mit welchen Gefühlen blicke ich zurück auf meine alte Arbeit? Werde ich froh sein, dass das Alte vergangen ist, oder werde ich ihm nachtrauern?

Irgendwann habe ich dann auch die andere Option emotional erfasst. Und damit ist die Arbeit eigentlich schon getan, denn die intuitiv für uns passende Entscheidung ist immer die, die sich unter dem Strich besser anfühlt, die uns glücklicher macht, mit der wir uns wohler fühlen. Klingt einfach, oder?

Letztlich ist diese Art, Entscheidungen zu treffen, tatsächlich sehr einfach, wenn man sich immer wieder bewusst macht, dass die Intuition immer nur das Zünglein an der Waage sein kann. Es ist nicht sinnvoll, eine Entscheidung zu treffen, gegen die sich alle Emotionen sträuben. Ebenso ist es nicht sinnvoll, sich für etwas zu entscheiden, von dem der Verstand überzeugt ist, dass es falsch ist.

In letzterem Fall darf man ein „Nein“ des Verstandes jedoch nicht damit verwechseln, dass er einfach Angst vor einem Risiko oder schlicht vor etwas Neuem hat. Auch hier wieder ein Beispiel: Wenn man ein durchschnittliches Einkommen hat, dann sagt der Verstand wahrscheinlich klar „Nein“, wenn man plant, eine einjährige Weltreise für 250.000 EUR plus Verdienstausfall zu buchen. Die Bedenken, die der Verstand äußert, wenn es darum geht, den oben beschriebenen neuen Job anzunehmen, entspringen jedoch wahrscheinlich zu einem guten, wenn nicht sogar großen Teil der Angst vor dem Unbekannten. Im ersteren Fall ist es normalerweise nicht ratsam, der Intuition die Entscheidung zu überlassen, im letzteren Fall sollte man sie jedoch auf jeden Fall befragen und in die Entscheidungsfindung mit einbeziehen.

Das Leben ist eine endlose Kette von Entscheidungen und gerade in den jetzigen Zeiten sind wir wieder und wieder aufgefordert, große Entscheidungen zu treffen. Nutzen Sie das Potenzial, das in Ihren Emotionen und in Ihrer Intuition liegt, um die für Sie bestmöglichen Entscheidungen zu treffen. Wenn man ein wenig übt, fällt es einem ganz leicht. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen angenehmen, sonnigen Frühlingsmonat März und, dass Sie immer die für sich besten Entscheidungen treffen.

Liebe Grüße aus Aschaffenburg
Carsten Sann
Der Essenzenladen